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Liebe
Freunde und Freundinnen der Robert-Jungk-Stiftung!
Die
"ungehaltene Rede" von Jean Ziegler bei den Salzburger
Festspielen über den Skandal des Hungers hat breites Echo und viel
Zustimmung gefunden. Wir geben im Folgenden eine kleine Nachlese.
Zieglers Rede ist auf Youtube zu sehen und auch als Broschüre beim
Salzburger Verlag Ecowin erschienen, die am Tag der Festspieleröffnung
von AktivistInnen der Plattform „Zivilgesellschaft“ verteilt wurde.
Überdies konnte Ziegler seine Anliegen in einer Sendung des ORF –
„Dorfer-Talk“ – ausführlich darstellen. Breit war auch das internationale
Medienecho.
Und
am letzten Tag der Salzburger Festspiele wurde die Rede doch noch
gehalten. Die Schauspielerin Marie Colbin hat diese in einer Art
szenischen Lesung vor dem Salzburger Festspielhaus umgesetzt. Auch diese
ist auf Youtube erschienen.
Erinnert
sei auch daran, dass Zieglers Vortrag „Das Massaker des Hungers. Wo gibt
es Hoffnung?“ anlässlich der Verleihung des Salzburger Landespreises für
Zukunftsforschung im Jahr 2008 nach wie vor als CD erhältlich ist.
Die
Rede hat ihre Wirkung getan. Wir brauchen viele Jean Zieglers!
In
diesem Sinne mit besten Grüßen für das Team
Hans
Holzinger
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Rede auf Youtube

Ecowin-Broschüre
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Jean Zieglers „Nicht gehaltene Rede“ – Ein Nachlese
Die Kunst habe Waffen, die
der analytische Verstand nicht besitzt, so Zieglers "Traum" in
seiner Rede: "Sie wühlt den Zuhörer, Zuschauer in seinem Innersten
auf, durchdringt auch die dickste Betondecke des Egoismus, der
Entfremdung und der Entfernung." Doch dieses Wunder werde in Salzburg nicht
geschehen, meint Ziegler in seiner Rede weiter: „Gegen das eherne Gesetz
der Kapitalakkumulation sind selbst Beethoven und Hofmannsthal machtlos.“
Die These von der zweckfreien
Kunst schütze "die Mächtigen vor ihren eigenen Emotionen und dem
eventuell drohenden Sinneswandel." Überdies sei Kunst angesichts der
Gewaltstrukturen ohnedies machtlos: Denn "Kapital ist immer und
überall und zu allen Zeiten stärker als Kunst". Das Unrecht in der
Welt habe strukturelle Gründe, die von sich wandelnden Einzelpersonen
nicht behoben werden können.
Ziegler spricht in der Rede
von einer "kannibalischen Weltordnung" und musste sich von
mancher Seite den Vorwurf der Vereinfachung gefallen lassen. Doch wenn
eine Milliarde Menschen hungert, obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel
vorhanden wären, und zugleich von den Reichen riesige Vermögen angehäuft
werden, dann ist der Gedanke an modernen "Kannibalismus" wohl
nicht abwegig. Man kann es auch eklatantes Wirtschaftsversagen nennen.
Denn im real existierenden Kapitalismus wird nicht dort investiert, wo
der Bedarf am größten ist, sondern dort, wo die Kaufkraft am größten ist.
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CD-ROM
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Kannibalische Weltordnung - Es gibt
Strategien gegen den Hunger
Nun gäbe es durchaus
politische Konzepte für einen globalen sozialen Ausgleich, etwa die Global
Marshall Plan-Initiative, die Umverteilung durch Globalsteuern
fordert, oder den Ansatz eines "basic
food income", das allen Erdenbürger/innen ein Existenzminimum
zugesteht. Doch passiert das Gegenteil: das World Food Programme der UNO
wurde etwa drastisch zurückgefahren. Wenn man Zieglers Bücher wie
"Der Hass auf den Westen" oder das feinfühlige Zwiegespräch mit
seinem Sohn "Wie kommt der Hunger in die Welt" liest, dann
weiss man, dass das Engagement des UN-Mitstreiters von einem tiefen
Humanismus und den Ideen der europäischen Aufklärung geprägt ist. Nur
haben diese aufgrund eines "hedonistischen Individualismus", so
Ziegler, unseren Kontinent immer mehr verlassen. Die 1948 verabschiedeten
Allgemeinen Menschenrechte harren noch immer der Einlösung!
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Aufführung Marie Colbin
Foto: Franz
Neumayer/APA
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Szenische Lesung von Marie Colbin vor
Berliner Philharmoniker-Konzert
Die Schauspielerin Marie Colbin hat die Rede
"Der Aufstand des Gewissens" am Sonntag, den 28. August vor dem
Konzert der Berliner Philharmoniker quasi uraufgeführt. Ihre Bühne war
nur zwei Mal zwei Meter groß. Für eine Hundertschaft an Besuchern reichte
es dennoch. Lautstark bis schreiend, wild gestikulierend, tanzend und
barfuß brachte die Schauspielerin das Werk ins Publikum. In der
16-seitigen Schrift hat Ziegler die Hungerkatastrophe in Ostafrika
thematisiert, die ungenügende Entwicklungshilfe beklagt und Kritik an den
"Verursachern und Herren dieser kannibalischen Weltordnung"
geübt.
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Ein breites
internationales Presseecho – eine Auswahl
„Jean
Ziegler: Nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele“
- unter diesem Titel
druckte die Süddeutsche Zeitung Zieglers Rede, schon avor gab es ein Interview
unter dem Motto „Empört
euch“. Einige Tage später die Meldung „Jean Ziegler
auf Youtube statt in Salzburg“. Die Hamburger „Die Zeit“ berichtete
ausführlich unter dem Titel „Die
Rettung der Welt im Konjunktiv“. Auch der Berliner Tages-Spiegel,
die TAZ , die Frankfurter
Rundschau und das Magazin Focus
informierten über Zieglers nicht gehaltene Rede. Und auch in Zieglers
Heimat wurde reagiert, etwa in der Neuen
Züricher Zeitung.
Die ARD brachte eine Reportage u. a.
mit Peter Turrini unter dem Aufhänger „Der Aufstand des Gewissens - Jean Ziegler
und die Salzburger Festspiele.“ Die
ORF-Life-Sendung Dorfer
Talk mit Jean Ziegler ist auch auf Youtube nach
zu verfolgen. Auf Ö1 ist ein Interview mit Sabine Oppolzer zum Thema „Die Gründe für Afrikas
Hungerkrise“ nachzuhören.
Auch
zahlreiche Österreichische Tageszeitungen berichteten über die
„nichtgehaltene Rede“, etwa der Standard,
der Kurier
oder die Presse.
Die Salzburger Nachrichten titelten in der Ausgabe vom 25. Juli „Was Jean
Ziegler gesagt hätte.“
Stellungnahmen
gab es auch seitens der JBZ, etwa einen Kommentar für Drehpunkt
Kultur sowie „Der
Standard“ oder eine Analyse zu Strategien gegen den Hunger,
erschienen in den Salzburger
Nachrichten.
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