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 Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen  |  8_2011

 


 

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Aus der Redaktion

·    Jean Zieglers „Nicht gehaltene Rede“ – eine Nachlese

·    Kannibalische Weltordnung - Es gibt Strategien gegen den Hunger

·    Szenische Lesung von Marie Colbin vor Berliner Philharmoniker-Konzert

·    Ein breites internationales Presseecho – eine Auswahl

§    JBZ-Lesekarte – Zukunftspass - Mitgliedschaft  - Facebook

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Freunde und Freundinnen der Robert-Jungk-Stiftung!

Die "ungehaltene Rede" von Jean Ziegler bei den Salzburger Festspielen über den Skandal des Hungers hat breites Echo und viel Zustimmung gefunden. Wir geben im Folgenden eine kleine Nachlese. Zieglers Rede ist auf Youtube zu sehen und auch als Broschüre beim Salzburger Verlag Ecowin erschienen, die am Tag der Festspieleröffnung von AktivistInnen der Plattform „Zivilgesellschaft“ verteilt wurde. Überdies konnte Ziegler seine Anliegen in einer Sendung des ORF – „Dorfer-Talk“ – ausführlich darstellen. Breit war auch das internationale Medienecho.

Und am letzten Tag der Salzburger Festspiele wurde die Rede doch noch gehalten. Die Schauspielerin Marie Colbin hat diese in einer Art szenischen Lesung vor dem Salzburger Festspielhaus umgesetzt. Auch diese ist auf Youtube erschienen.

Erinnert sei auch daran, dass Zieglers Vortrag „Das Massaker des Hungers. Wo gibt es Hoffnung?“ anlässlich der Verleihung des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung im Jahr 2008 nach wie vor als CD erhältlich ist.

Die Rede hat ihre Wirkung getan. Wir brauchen viele Jean Zieglers!

In diesem Sinne mit besten Grüßen für das Team

Hans Holzinger

 

 

Rede auf Youtube

Ecowin-Broschüre

Jean Zieglers „Nicht gehaltene Rede“ – Ein Nachlese

Die Kunst habe Waffen, die der analytische Verstand nicht besitzt, so Zieglers "Traum" in seiner Rede: "Sie wühlt den Zuhörer, Zuschauer in seinem Innersten auf, durchdringt auch die dickste Betondecke des Egoismus, der Entfremdung und der Entfernung." Doch dieses Wunder werde in Salzburg nicht geschehen, meint Ziegler in seiner Rede weiter: „Gegen das eherne Gesetz der Kapitalakkumulation sind selbst Beethoven und Hofmannsthal machtlos.“

Die These von der zweckfreien Kunst schütze "die Mächtigen vor ihren eigenen Emotionen und dem eventuell drohenden Sinneswandel." Überdies sei Kunst angesichts der Gewaltstrukturen ohnedies machtlos: Denn "Kapital ist immer und überall und zu allen Zeiten stärker als Kunst". Das Unrecht in der Welt habe strukturelle Gründe, die von sich wandelnden Einzelpersonen nicht behoben werden können.

Ziegler spricht in der Rede von einer "kannibalischen Weltordnung" und musste sich von mancher Seite den Vorwurf der Vereinfachung gefallen lassen. Doch wenn eine Milliarde Menschen hungert, obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel vorhanden wären, und zugleich von den Reichen riesige Vermögen angehäuft werden, dann ist der Gedanke an modernen "Kannibalismus" wohl nicht abwegig. Man kann es auch eklatantes Wirtschaftsversagen nennen. Denn im real existierenden Kapitalismus wird nicht dort investiert, wo der Bedarf am größten ist, sondern dort, wo die Kaufkraft am größten ist.

CD-ROM

 

Kannibalische Weltordnung - Es gibt Strategien gegen den Hunger

Nun gäbe es durchaus politische Konzepte für einen globalen sozialen Ausgleich, etwa die Global Marshall Plan-Initiative, die Umverteilung durch Globalsteuern fordert, oder den Ansatz eines "basic food income", das allen Erdenbürger/innen ein Existenzminimum zugesteht. Doch passiert das Gegenteil: das World Food Programme der UNO wurde etwa drastisch zurückgefahren. Wenn man Zieglers Bücher wie "Der Hass auf den Westen" oder das feinfühlige Zwiegespräch mit seinem Sohn "Wie kommt der Hunger in die Welt" liest, dann weiss man, dass das Engagement des UN-Mitstreiters von einem tiefen Humanismus und den Ideen der europäischen Aufklärung geprägt ist. Nur haben diese aufgrund eines "hedonistischen Individualismus", so Ziegler, unseren Kontinent immer mehr verlassen. Die 1948 verabschiedeten Allgemeinen Menschenrechte harren noch immer der Einlösung!

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gestikulierende schauspielerin liest vom blatt

Aufführung Marie Colbin

Foto: Franz Neumayer/APA

Szenische Lesung von Marie Colbin vor Berliner Philharmoniker-Konzert

Die Schauspielerin Marie Colbin hat die Rede "Der Aufstand des Gewissens" am Sonntag, den 28. August vor dem Konzert der Berliner Philharmoniker quasi uraufgeführt. Ihre Bühne war nur zwei Mal zwei Meter groß. Für eine Hundertschaft an Besuchern reichte es dennoch. Lautstark bis schreiend, wild gestikulierend, tanzend und barfuß brachte die Schauspielerin das Werk ins Publikum. In der 16-seitigen Schrift hat Ziegler die Hungerkatastrophe in Ostafrika thematisiert, die ungenügende Entwicklungshilfe beklagt und Kritik an den "Verursachern und Herren dieser kannibalischen Weltordnung" geübt. mehr

 

 

 

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Ein breites internationales Presseecho – eine Auswahl

„Jean Ziegler: Nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele“ - unter diesem Titel druckte die Süddeutsche Zeitung Zieglers Rede, schon avor gab es ein Interview unter dem Motto „Empört euch“. Einige Tage später die Meldung „Jean Ziegler auf Youtube statt in Salzburg“. Die Hamburger „Die Zeit“ berichtete ausführlich unter dem Titel „Die Rettung der Welt im Konjunktiv“. Auch der Berliner Tages-Spiegel, die TAZ , die Frankfurter Rundschau und das Magazin Focus informierten über Zieglers nicht gehaltene Rede. Und auch in Zieglers Heimat wurde reagiert, etwa in der Neuen Züricher Zeitung.

Die ARD brachte eine Reportage u. a. mit Peter Turrini unter dem Aufhänger Der Aufstand des Gewissens - Jean Ziegler und die Salzburger Festspiele.“ Die ORF-Life-Sendung Dorfer Talk mit Jean Ziegler ist auch auf Youtube nach zu verfolgen. Auf Ö1 ist ein Interview mit Sabine Oppolzer zum Thema „Die Gründe für Afrikas Hungerkrise“ nachzuhören.

Auch zahlreiche Österreichische Tageszeitungen berichteten über die „nichtgehaltene Rede“, etwa der Standard, der Kurier oder die Presse. Die Salzburger Nachrichten titelten in der Ausgabe vom 25. Juli „Was Jean Ziegler gesagt hätte.“

Stellungnahmen gab es auch seitens der JBZ, etwa einen Kommentar für Drehpunkt Kultur sowie  „Der Standard“ oder eine Analyse zu Strategien gegen den Hunger, erschienen in den Salzburger Nachrichten.

 

 

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