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Wir brauchen eine Energie- und eine Kulturwende

 „Bevor uns die Energie ausgeht“ – Unter diesem Motto stand eine Veranstaltung am 25. März in St. Virgil Salzburg gemeinsam mit der Robert-Jungk-Bibliothek. Es diskutierten Dr. Gunter Sperka von der Abteilung Umweltschutz des Landes Salzburg, DI Michael Hohenwarter, Transition-Trainer des Lienzer Büros Zukunftsraum, und DI Helmut Strasser vom Programm „e5 – energieeffiziente Gemeinden“ (im Bild v. l. n. r.). Ein Bericht von HANS HOLZINGER

„Kreatives Schrumpfen“ – Die Bewegung der Transition-Towns

 „Die heutigen Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen basieren auf billigen fossilen Energieträgern. Erdöl ist das Schmiermittel unseres gegenwärtigen Wirtschaftens“, so Michael Hohenwarter vom Büro Zukunftsraum in der gemeinsam mit dem Land Salzburg, dem Umweltreferat der Erzdiözese sowie der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen durchgeführten  und von Jakob Reichenberger (St. Virgil) geleiteten Diskussionsveranstaltung. Die Begrenztheit fossiler Energien mache neue Zukunftspfade nötig. Manche plädierten für ein „Green Tech-Szenario“, in dem alle Probleme durch neue Technologien gelöst werden, so Hohenwarter. Vielversprechender sei jedoch ein Mischszenario, welches eine „Energiewende“ mit einer „Kulturwende“ verbindet.

Eine neue aus Großbritannien kommende Bewegung setzt auf „Transition“, also Wandel. Hohenwarter sprach von „kreativem Schrumpfen“. Mittlerweile gibt es 710 „Transition“-Towns in 31 Ländern, die auf einen neuen Lebens- und Wirtschaftsstil setzen. Ziel ist eine „Bewegung von unten“, die ganzheitlich ausgerichtet ist. Es geht dabei, so der Transition-Trainer, um drei Dinge: Verstehen, was auf uns zukommt („Kopf“), Sich berühren lassen und eine Vision entwickeln („Herz“) und schließlich - im Sinne von Selbstermächtigung – um aktiv werden („Hand“). Drei zentrale Ansatzpunkte nannte Hohenwarter, der Tags darauf auch noch für ein Vertiefungsseminar zur Verfügung stand, für den einzuleitenden Wandel: ein anderer Bezug  zu „Lebensmitteln“, also eine bewusste Ernährung und neue Formen der Lebensmittelmittelerzeugung wie „Permakultur“, innovative „Zahlungsmittel“, etwa Regionalwährungen, und schließlich regional produzierte „Energiemittel“ auf erneuerbarer Basis.

Änderung unseres Lebensstils gefordert

Auch Dr. Sperka von der Umweltabteilung des Landes Salzburg bekräftigte, dass technologische Effizienzstiegerungen alleine nicht reichen werden, um die zukünftige Energiebasis zu sichern und die vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Der Energieverbrauch in Salzburg werde derzeit zu 60 Prozent fossil und zu 40 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt. Nach einer Studie der Österreichischen Energieagentur können die Österreichischen Bundesländer 15 Prozent der Treibhausgasemissionen beeinflussen - der Großteil der Kompetenz liegt beim Bund.

Sperka stellte dar, dass die westlichen Industrienationen - und damit auch Österreich - eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um etwa 90 Prozent bis 2050 erreichen müssten, wenn die globale Erwärmung unterhalb der als gerade noch beherrschbar angesehenen Schwelle von 2°C bleiben soll. Sperka verwies auch auf Zielkonflikte, die mit einer „Systemumstellung“ zusammenhängen. Etwa die Flächenkonkurrenz durch Biotreibstoffe, der Eingriff in die Gewässerökosysteme durch Wasserkraft, die Veränderung des Landschaftsbildes durch Windkraft. Überdies verursache die Umstellung des Energiesystems auch enorme Kosten.

Die Grenzen der Ausbaupotenziale erneuerbarer Energieträger machten auch eine Änderung unseres Lebensstils unabdingbar, so Sperka. Das Land selbst könne durch rechtliche Rahmenbedingungen, Förderungen, Vorbildwirkung (etwa in der Wärmesanierung öffentlicher Gebäude) sowie durch Bewusstseinsbildung Veränderungen anstoßen. Die Initiative des Landes zum ökologischen Fußabdruck „Leben auf zu großem Fuß“ oder die von Land, Wirtschaftskammer und Salzburg AG getragene Beratungsinstitution "umwelt service salzburg" nannte er als Beispiele.

 „e5“ – Hilfestellung für Gemeinden

Helmut Strasser vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR) erläuterte schließlich das „e5 programm für energieeffiziente gemeinden“ als Hilfestellung und Benchmarking für neue Energiewege in Gemeinden. Das Zusammenbringen der Zuständigen, eine langfristige Planung, „energiefite“ Gemeindemitarbeiter/innen sowie sichtbare Erfolge nannte er als wichtige Erfolgskriterien. Mit den 5 „e“ werden Gemeinden für konkrete Erfolge ausgezeichnet. Sechs Bereiche stehen dabei im Fokus: Entwicklungsplanung und Raumordung, Gebäude, Ver- und Entsorgung, Mobilität, Kommunikation und Kooperation sowie die interne Organisation. Für Gemeinden habe die Umsetzung des Programms einen dreifachen Nutzen: Beitrag zum Klimaschutz, höhere Versorgungssicherheit durch regionale Energie sowie höhere lokale Wertschöpfung. Im Beipackzettel heißt es daher: „Dieses Programm entspricht Nachhaltigkeitskriterien und wird ihren Umgang mit Energie verändern.“

Links:

Transition Towns: www.transition-initiativen.de
Büro Zukunftsraum:
www.zukunftsraum.at
Lebenauf zu großem Fuß: www.salzburg.gv.at/fussabdruck  
e5-Programm: www.e5-salzburg.at

 Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen | Robert-Jungk-Platz 1 | 5020  Salzburg  |  T 0043.662.873 206 | E: jungk-bibliothek@salzburg.at 
H:
www.jungk-bibliothek.at  Team: Dr. Alfred Auer, Mag. Hans Holzinger, Dr. Walter Spielmann, Mag. MAS Stefan Wally
Online-Redaktion: Hans Holzinger