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Geschichte der Atomenergie ist auch eine Geschichte der Indigenas „70
Prozent des weltweit geförderten Urans kommt aus Gebieten von Indigenas. Die Geschichte der Atomenergie ist daher auch
eine Geschichte der Indianer“, so Claus Biegert in seinen Ausführungen über
den mit der Atomenergienutzung verbundenen Urankolonialismus. 80 Prozent der
Radioaktivität des Urans verbleibe in den Halden der Bergwerke, die über die
Abraumhalden verbreitete sogenannte Niedrigstrahlung wirke zwar nicht
unmittelbar tödlich, entfalte ihre Radioaktivität und Toxizität jedoch über
den Faktor Zeit. So beträgt die Inkubationszeit für Krebserkrankungen durch
diese Strahlen, vor allem Alphastrahlung, etwa 20 Jahre. Langzeitfolgen für Opfer des Uranabbaus Biegert,
der 1992 das World Uranium Heraring in Salzburg initiiert hatte und damit den
Betroffenen des Uranabbaus weltweit eine Stimme gab, schilderte im Vortrag die
Spätfolgen des „Uranbooms“ in den USA und Kanada für die Indigenas:
deutlich erhöhte Krebsraten und Missbildungen bei Neugeburten zählen heute
zum Alltag derer, die vor 20 Jahren in den Minen gearbeitet haben bzw. in
deren Nachbarschaft wohnen. Gekauft wurden die Indigenas
für die Lagerung von Atommüll mit viel Geld und Unwissenheit. So wären allein
für die Bereitschaft, eine „Umweltstudie“ erstellen zulassen, „die dann immer
die Unbedenklichkeit der Uranförderung bzw. –lagerung
bestätigte“, bis zu 500.000 Dollar geflossen, „und für die Förderung dann
Millionen“. Doch auch bei den Indigenas sei ein
Umdenken festzustellen. So hätten sich mittlerweile über 70 der indianischen
Gemeinschaften für atomfrei erklärt: „Das ist der überwiegende Teil“, so
Biegert. Neuer Urankolonialismus in Afrika Während
in Nordamerika und Australien mittlerweile viele Uranminen geschlossen
wurden, beginnt der Boom in Afrika erst, so Biegert weiter. Es bestehe die
Gefahr, dass die Ureinwohner Afrikas dasselbe Schicksal erleiden wie die Indigenas Nordamerikas oder Australiens. Eine
Befürchtung, die Heinz Stockinger von der Salzburger Plattform gegen
Atomgefahren bestätigte: „Allein in Niger wurden bereits 170 Anträge für
Erkundungs- und Schürfrechte gestellt, von französischen, US-amerikanischen,
kanadischen oder chinesischen Unternehmen.“ Frankreich will in Arlit – in einer der wasserärmsten Regionen der Welt – die
größte Uranmine der Welt bauen. Der französische Atomkonzern Areva, der seit 40 Jahren in Niger Uran abbaut, und die
Regierung von Niger haben das Geschäft seit Monaten angebahnt. Befürchtet
werden weitere Belastungen für die einheimische Bevölkerung und die Umwelt,
etwa den Wasserhaushalt. An die
Renaissance der Atomenergie, die sich im Kontext der Klimaerwärmung als CO2-freie
Alternative ins Spiel bringt, glaubt Stockinger nicht. „Der Stromverbrauch
macht nur 17 Prozent des gegenwärtigen Weltenergieverbrauchs aus und
Atomenergie trägt zu diesem nur mit 16 Prozent bei“, so Zahlen des
Antiatomexperten. Die Atomenergie steuere daher derzeit nur etwa 2 Prozent
zum gesamten Weltenergieaufkommen bei. Stockinger kritisierte die
Konzentration der Forschungsmittel auf Nuklearenergie und plädierte in diesem
Zusammenhang für einen Ausstieg Österreichs aus der EURATOM. Gefahren von Uranmunition Einigkeit
gab es zwischen beiden Vortragenden, dass die Frage
der Endlagerung des Atommülls bisher aufgeschoben („verdrängt“) und uns noch
große Zukunftsprobleme bereiten werde. Klaus Biegert verwies darüber hinaus
auf eine weitere Problematik des Uranabbaus. Da Uran eines der härtesten
Metalle darstellt, gilt das abgereicherte Uran, das bei der Herstellung des
spaltfähigen Urans anfällt als begehrter und kostengünstiger Rohstoff für
sogenannte Uranmunition und urangehärtete Waffen, etwa Panzer. „Depleted Uranium“ – so der Fachbegriff (abgereichertes
Uran) – führt aber ebenfalls zu verheerenden gesundheitlichen
Beeinträchtigungen. Der bei Explosionen freiwerdende Feinstaub, etwa wenn das
Urangeschoss auf den Panzer trifft, wird „von Freund und Feind“ eingeatmet.
Die Radioaktivität von Uranmunition wurde von den Militärs lange Zeit
abgestritten, die NATO hätte aber zuletzt – so Biegert – eingeräumt, dass
Untersuchungen in Einsatzgebieten wie Irak, Kosovo oder im
indisch-pakistanischen Grenzkrieg neu aufgerollt werden müssten. Nuclear-Free Future Award Die
stärkere Kontrolle der Uranabbaufirmen durch die Öffentlichkeit nannte
Biegert als entscheidende Strategie, um deren skandalösen Schürfpraktiken ein
Ende zu setzen und zumindest die Einhaltung von Mindeststandards zu
erreichen. Eine Möglichkeit hier für sei, sich als KleinaktionärInnen
in die Firmen einzukaufen, ein Weg, der in der Friedensbewegung hinsichtlich
Rüstungsunternehmen bereits einmal erfolgreich bestritten worden war („Kritische
Aktionäre“). Das World
Uranium Hearing 1992 in Salzburg hatte den Betroffenen des Uranabbaus
erstmals global eine Stimme gegeben. Der daraus hervorgegangene, jährlich
vergebene „Nuclear-Free Future Award“ zeichnet
Personen aus, die Widerstand leisten gegen den skrupellosen Uranabbau und die
Ausbreitung des Nuklearismus leisten. Die
Preisträger 2008 waren Manuel Pino vom Volk
der Tewa im US-Staat New Mexico, der seine
Dissertation über die zerstörerische Auswirkung der Urangewinnung auf die
indianische Kultur verfasste und zu einem führenden Sprecher der Indigenas gegen die Atomindustrie wurde, sowie Jillian Marsch, die seit vielen Jahren
Aufklärungsarbeit über die Folgen des Uranbaus für die australischen
Aborigines leistet. Link: www.nuclear-free.com Kooperation: AAI,
Plage – Zukunftswerkstatt Energie, Robert-Jungk
Bibliothek, Umweltreferat der Erzdiözese, KHG, Südwind. Text: Elisabeth Moser
(AAI) |
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