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Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
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ZUKUNFTSBUCH Juni 2007
Wir retten die Welt zu Tode. Der Leiter des Development Research Institute macht Vorschläge für ein professionelleres Management im Kampf gegen die Armut. Frankfurt/M.: Campus-Verl., 2006. 388 S., ca. € 25,- Vorgestellt von Alfred Auer
„Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann.“ Dieses Zitat wird Leonardo da Vinci zugeschrieben und trifft im übertragenen Sinn genau das Thema dieses lesenswerten Beitrags zur Entwicklungshilfe, die bis heute nicht erreicht, was sie will. Ob es sich um die hehren Ziele der „Millennium Development Goals“, die „Live-Aid-Konzerte“ des Bob Geldof oder den im Juli 2005 von den G8-Staaten beschlossenen „Big Push“ (die Verdoppelung der Entwicklungshilfe für Afrika von 25 auf 50 Milliarden Dollar im Jahr) handelt. Insgesamt hat der Westen in den vergangenen fünf Jahrzehnten 2,3 Billionen Dollar für Entwicklungshilfe ausgegeben und es trotzdem nicht geschafft, die notwendigen 12 Cent bereitzustellen, die notwendig wären, die Hälfte aller Malariaopfer zu retten. Alles, so William Easterly, Leiter des Development Research Institute an der New York University, „beruht auf der Fehleinschätzung, dass mit traditionellen westlichen Hilfsmaßnahmen die Armut in der Welt beseitigt werden könne“ (S. 12). Armutsbekämpfung
heute Jedenfalls sind es nicht die großen Pläne, die helfen. Die einzig richtige Frage lautet für Easterly daher: „Was kann die Entwicklungshilfe für die Armen bewirken?“ Für die Befürworter eines alternativen Ansatzes („Sucher“) – der Autor stellt diesen den „Planern“ als Verfechter traditioneller Entwicklungshilfe gegenüber – ist Armut ein komplexes Geflecht aus politischen, gesellschaftlichen, historischen, institutionellen und technischen Faktoren, aber kein technisches Problem, dass mit Geld, Logistik und westlichem Know-how gelöst werden kann. Der Sucher nach Alternativen weiß aber auch, dass nur Insider über die nötigen Kenntnisse zur Problemlösung verfügen. „Verabschieden Sie sich“, so der Autor, „von der arroganten Überzeugung, besser zu wissen, wie die Probleme anderer Leute zu lösen sind“ und „sorgen Sie stattdessen dafür, dass es den Menschen besser geht, anstatt Regierungen oder Gesellschaften verändern zu wollen“ (S. 339). „Bedenken Sie dabei jedoch, dass Hilfe nicht die Armut beenden kann.“ Hilfe konkret Die Zukunft westlicher Hilfe sieht der Dritte-Welt-Experte also darin, dem Einzelnen zu helfen und nicht Regierungen. Es gelte, das Wesentliche im Auge behalten: das Bedürfnis nach Impfstoffen, Antibiotika, Nahrungsergänzungsmitteln, verbessertes Saatgut, Düngemittel, Straßen, Bohrlöcher, Wasserleitungen, Schulbücher, Krankenschwestern. „Das macht die Armen nicht abhängig von Zuwendungen, sondern es gibt den Allerärmsten Gesundheit, Nahrung, Bildung und andere Faktoren, die ihre eigenen Bemühungen um ein besseres Leben lohnenswerter machen.“ (S. 342) Als Beispiel für ein innovatives Programm, das in dieser Richtung arbeitet, wir die PROGRESA-Initiative in Mexiko vorgestellt, die Müttern Barzuwendungen gibt, wenn sie ihre Kinder in die Schule schicken, an medizinischen Aufklärungsprogrammen teilnehmen und die Kinder in die Klinik bringen, damit sie Nahrungsergänzungsmittel erhalten und regelmäßig untersucht werden. Die wissenschaftliche Evaluierung des „International Food Policy Research Institute“ (IFPR) mit 253 Vergleichsdörfern bescheinigte dem Projekt einen großen Erfolg. Mit einem Etat von 800 Millionen Dollar erreichte PROGRESA im Jahr nicht weniger als 10 Prozent aller Familien in Mexiko. (vgl. S. 346) Der "Entwicklungsgutschein" als Beispiel „Die Komponente Bargeld-gegen-Bildung-und-Ernährung könnte herausgegriffen, ausgeweitet und an lokale Bedingungen oder weitere Länder angepasst oder in viel größtem Stil durchgeführt werden.“ (S. 346f.) Auch die Hilfe bei der Unterweisung in der Benutzung von Kondomen oder beim Versprühen von Insektiziden in Wohnräumen, Düngemittelsubventionen, Impfungen u.v.a.m. könnte der Schlüssel zu einer Entwicklung sein, die den Menschen das Leben unmittelbar erleichtert, ohne einen bürokratischen Ansatz zu verfolgen. Auch die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen müssten in diesem Zusammenhang sammeln, um konkrete Problem im jeweils lokalen Umfeld zu erkennen und bei der Lösung zu helfen. Der Generalist ohne lokale oder spezifische Kenntnisse sei nicht gefragt, meint Easterly. Viel hält er hingegen von Netzwerken (wie etwa der Internetplattform www.globalgiving.com) in denen lokale Unternehmer, Entwicklungshelfer und Geldgeber zusammenfinden, um Informationen und Ressourcen auszutauschen. Auch die Einführung von Entwicklungsgutscheinen für Betroffene – Individuen oder Dorfgemeinschaften – die für Saatgut, Schulbücher, Impfungen etc. bei einer beliebigen Hilfs- oder Nichtregierungsorganisation eingelöst werden könnten, wäre eine Erfolg versprechender, erst zu erprobender Ansatz. Eine dringende Empfehlung, nicht nur für Entwicklungsexperten. Alles in allem: Ein wichtiges Buch und mit einer Fülle an positiven Beispielen eine Anregung für uns alle, konkret gegen die Armut in der Dritten Welt etwas zu tun. Aktuelle
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