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Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
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ZUKUNFTSBUCH März
2007
macht „Vorschläge für eine gerechtere Welt“ Vorgestellt von Hans Holzinger Es sei zwar goldrichtig,
kritisch und bewusst zu konsumieren, aber mindestens ebenso Begrenzung der
Gier Mit einer Fülle an
Vorschlägen zu einer Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte, einer
alternativen Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit, der Herstellung von
globaler Steuergerechtigkeit, der Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe
oder einer Revitalisierung der öffentlichen Aufgaben („moderne Allmenden“ )
zeigt Felber, dass es politische Gestaltungsmöglichkeiten gibt, wenn sie nur
wahrgenommen werden. Pointiert verweist er auf zu einfach hingenommene
Schieflagen, wenn er etwa Steueroasen aufs Korn nimmt: „Wer im Supermarkt
eine Tafel Schokolade stiehlt, wird sofort und hart bestraft. Wer 100
Millionen Euro in eine Steueroase bringt oder wer dem Hinterzieher dabei
behilflich ist, hat wenig zu befürchten.“ Fachkundig argumentiert er gegen
scheinbare ökonomische Naturgesetze wie die Hochzinspolitik, da hohe Zinsen
den Reichen (Kapitaleigner, Gläubiger) nützen und die Schuldner (Staaten wie
Unternehmen) unter Druck setzen. Originell der Vorschlag zur „Begrenzung der
Gier“: Eine „Gerechtigkeitsformel 20 – 10“ soll sicherstellen, dass
Spitzeneinkommen nie mehr als das Zwanzigfache der Mindestlöhne betragen und
dass niemand mehr als 10 Millionen Euro Privatvermögen anhäufen darf. Der Autor ist nicht
wirtschaftsfeindlich, er tritt vielmehr ein für eine zielgenauere Wirtschaft:
Die gegenwärtigen internationalen Finanzstrukturen seien aus
gesellschaftlicher Perspektive ineffizient und richtungsblind: „Geld fließt
nur dort hin, wo eine möglichst hohe Rendite zu erwarten ist. Kein Geld
fließt dorthin, wo es dringend benötigt wird oder volkswirtschaftlich
wertvoll ist, aber unrentabel.“ Wider den ruinösen
Standortwettbewerb Interessant zu lesen sind
auch die Ausführungen über eine „andere Globalisierung“. Felber hält nichts
von einem globalen Standortwettbewerb, dieser sei „das Wiedererwachen
des Nationalismus auf supranationaler Ebene“, ein „demokratiepolitischer
Selbstmordansatz“. Vielmehr brauche es globale politische Kooperation,
um für globale Konzerne globale Standards zu setzen: „Der Wettbewerb zwischen
Unternehmen wäre dann fairer, zwischen Staaten wäre er beendet.“ Statt
„ökosozialem Kolonialismus“, wie ihn die gegenwärtige Weltarbeitsteilung
befördere, solle „ökonomische Subsidiarität“ angestrebt werden, der Aufbau
lokaler und regionaler Märkte Vorzug erhalten, eine „Weltlokalisierungsorganisation“
könne dabei helfen. Weltlokalisierungsbehörde Globaler Handel würde nach
wie vor stattfinden, nur in der Tendenz mit High-Tech-Produkten wie Computer
oder Bahnsystemen. Die Basis der Wirtschaft würde hingegen wieder in die Region
zurückkehren: Lebensmittel, Roh- oder Baustoffe. Der Weltmarkt wäre nur noch
das ergänzende ´Salz in der Suppe´ der lokalen Wirtschaft.“ Das Ziel der
Ernährungssicherheit würde abgelöst durch jenes der „Ernährungssouveränität“,
die auf angepasster Landwirtschaft basiert. „Solidarischer
Technologietransfer“ würde die gegenwärtige Praxis der Hortung oft
lebensrettenden Wissens (Verbot von Generika bei Medikamenten, rigider
Patentschutz, Abkommen über geistiges Eigentum – TRIPS) ablösen. Felber nennt
als Beispiele die „freie Software“ und Zusammenschlüsse wie die „Globale
Research Alliance“ - 50.000 WissenschaftlerInnen
aus neun großen Instituten, die Know how global weitergeben. „Patente auf Leben“, wie sie die
Biotechnologie anstrebt, müssten untersagt werden. Ein neues
Menschenbild Felber fordert die Abkehr vom
nutzenmaximierenden Homo oeconomicus, der die gegenwärtigen
Wirtschaftswissenschaften beherrscht, und die Hinwendung zum „Homo socialis“. Von Natur aus seien wir zu beidem befähigt, zu
Konkurrenz und zu Kooperation. „Es kommt darauf an, was wir daraus machen.“
Grenzenlose Gier müsse genau so erlernt werden wie grenzenlose Solidarität.
Der Kapitalismus könne, so Felber pointiert, da er nach 300 Jahren immer noch
auf enorme und wieder wachsende Akzeptanzschwierigkeiten stößt, als
gescheitert betrachtet werden: „Es ist Zeit für etwas Neues.“ Dieses sei etwa
zu finden im Konzept lateinamerikanischen Konzept der „Solidarischen
Ökonomie“ und brauche eine aktive Zivilgesellschaft von Citoyens, die Menschen
wieder politisiere, das heißt, daran erinnert, „dass wir in einer Demokratie
leben, dass die öffentlichen Angelegenheiten alle angehen und dass eine
bessere Welt nur dann kommt, wenn sich Menschen mit sozialer Verantwortung
dafür einsetzen. Selbstbefreiung aus dem Idiotentum,
aus der neoliberalen Einzelhaft.“ – So der letzte Vorschlag, dem wohl nichts
hinzuzufügen ist. Aufdeckung
ökonomischer Mythen Dass die
globalisierungskritische Bewegung nur „Nein“ sage und keine konstruktiven
Vorschläge mache, war immer ein Vorurteil derer, die sie schwächen wollten –
ein Vorurteil, mit dem das vorliegende Buch einmal mehr aufräumt. Fundiert,
faktenreich und aufgelockert mit erfrischenden Pointen formuliert Christian
felber seine „Vorschläge für eine gerechtere Welt“. Er stellt Zusammenhänge
her, deckt „ökonomische Mythen“ auf – und bezieht Position: für Demokratie,
Menschenrechte, Fairness, den Schutz von Allgemeininteressen gegenüber
Sonderinteressen, die Mächtige für sich durchsetzen. Die Vorschläge zielen
mehrheitlich auf eine Zähmung des Kapitalismus, abschließend werden aber auch
Alternativmodelle wie „Solidarwirtschaften“ angesprochen. Alles in allem: Ein wichtiges
Buch, das, sofern es in der „Wirtschaftswelt“ wahrgenommen wird, wohl
Widerspruch hervorrufen wird, ein Widerspruch aber, der zeigt, dass der Autor
die richtigen Themen benennt. Aktuelle
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