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Wasser
als Gestaltungselement
Stadtklima, Erholungs- und Spielfunktionen sowie
vorbeugender Hochwasserschutz werden auf diese Weise mit einem attraktiven
urbanen Leben verbunden. „Während in einem Wald bis zu zwei Drittel des
Wassers verdunstet, geht in unseren Städten der Großteil des Wassers durch
Abfluss verloren und wird damit dem Mikroklima entzogen,“ so die Kritik des
Experten an der bisherigen Stadtplanung. In seinen Projekten wird der Regen
nicht als unangenehmes Störelement wahrgenommen, sondern „in seinem
melodiösen Klang“ als Teil des Naturkreislaufs. Dreiseitls
Konzept oberirdischer Entwässerungssysteme sowie des Wasserrecyclings wird
mittlerweile nicht nur in europäischen, sondern auch in US-amerikanischen
oder asiatischen Städten umgesetzt. So nutzt die Stadt Singapur das
gesammelte Regenwasser für die Trinkwasseraufbereitung, um der drohenden
Wasserknappheit Herr zu werden. Die Atmosphäre der „nachhaltigen Stadt“ Formebu, die am ehemaligen Flughafen Oslo errichtet
wurde, lebt ebenso von den „künstlich“ geschaffenen Wasserflächen wie der
Regenwassersee der neuen „Solar City“ bei Linz, in der über 4000 Menschen
wohnen. An vielen ansprechenden Beispielen machte Dreiseitl deutlich, wie das
Element Wasser die Lebensqualität in Städten verbessern kann und dass es grob
fahrlässig ist, dieses unter die Erde zu verbannen.
In anderen Städten sei die
Situation ähnlich. Die Ursachen sieht Steinbach in vier Trends: In der
„Deinstitutionalisierung“ des Sports (Vereine verlieren an Bedeutung), seiner
„Entsportlichung“ – nicht mehr Leistungssport, sondern Fitness und Spaß
stünden im Vordergrund -, damit zusammenhängend, die Individualisierung
sportlicher Betätigung, bei der das Gruppenerlebnis des klassischen Sports an
Bedeutung verliert, sowie schließlich eine „Pluralisierung der
Bewegungskultur“. So würden mittlerweile an die 350 unterschiedliche Bewegungsaktivtitäten
gezählt. Offenheit und Vielfalt
Die Stadtplanung sowie die
Sportstättenförderung müssten auf diese Trends reagieren, meinte Steinbach,
der eine Öffnung der bestehenden Sportstätten, die Schaffung
„multifunktionaler Bewegungsräume“ sowie mehr Unterstützung von Bewegung im
Alltag forderte. So korrespondiere eine hohe Radverkehrsdichte in der Regel
mit einem hohen Gesundheitsgrad der Bevölkerung. Parkanlagen, Spielplätze
oder Naturwege sollen zu Bewegungsaktivitäten einladen, Sportvereine sich
öffnen für neue Zielgruppen. Denkbar wären auch Mehr-Generationen-Spielplätze
sowie „Sportrouten“, die Sportstätten durch Radwege verbinden. Als
Gestaltungskriterien für neue Bewegungsfreiflächen nannte Steinbach
Vielfältigkeit und Multifunktionalität, Erlebnisorientierung, Offenheit und
gute Erreichbarkeit, Veränderbarkeit, Einfachheit (keine „Übermöblierung“)
sowie Niederschwelligkeit, d. h. etwa Zugang ohne Mitgliedschaft. So könne
das Motto „Mehr Lebensqualität durch Bewegung in der Stadt“ erreicht werden.
Die Grundelemente der Erde
Anderfuhren ging dabei von den
vier Grundelementen der Erde aus, die auch Spielstätten prägen sollten.
Kinder bräuchten Wasserstellen zum Experimentieren und Spielen („Stadt der
Pfützen“), Erde, Sand und Steine zum Bewegen, Luft nicht nur zum Atmen,
sondern auch für das „Recht des Kindes laut zu sein“, und schließlich
öffentliche Feuerstellen („Denn wir lernen nicht mehr, mit Feuer umzugehen“).
Als fünftes Element ergänzte Anderfuhren „Zeug zum Spielen“, wobei er nicht
so sehr an Geräte dachte, sondern vielmehr an Naturmaterialien wie etwa
Treibholz zum Errichten eigener Höhlen usw. („Denn Kinder wollen arbeiten,
nicht spielen“). Spielplatzzäune müssten bunter und einladender für Neue
werden, die Spielräume sich in die Wohnquartiere hinausziehen („Mindestens
die Hälfte der Freiflächen in Siedlungen müssen spieltauglich sein“). Flächen
seien bewusst abenteuerlich zu gestalten („Stolpern lernt man nur auf
unebenem Boden“) und insbesondere müssten die „Zwischenräume“, die es in
allen Städten gibt, kinderfreundlicher werden. Anderfuhren plädierte etwa für
Abenteuerschulwege, eine neue „Fußwegkultur“, die Ablenkungen und Umwege
ermöglicht, oder Brachflächen, die als „Spielplätze auf Zeit“ genutzt werden
können. Gemeinschaftsgärten in Salzburg
Am Nachmittag wurden Beispiele
innovativer Gemeinschaftsgärten in Salzburg vorgestellt: der Stadtteilgarten Itzling (Christina Pürgy), der Lieferinger
Kräutergarten (Anton Koberger) sowie die
Außenraumgestaltung der Rudolf-Steiner-Schule (Schulleiter Rainald Grugger). Den Abschluss bildeten internationale Beispiele
für die Aneignung von urbanen Räumen durch Jugendliche, vermittelt durch
Chiara Tornaghi von der University Leeds, sowie ein
„ExpertInnen-Talk“ zu
Freiraumgestaltungsspielräumen in der Stadt Salzburg mit Gabriele Kiefer
(Landschaftsplanerin, Mitglied des Gestaltungsbeirats), Wolfgang Saiko (Gartenamt), Thomas Schuster (Verein Spektrum) und Inge
Straßl (SIR).
Foto: Stadtplanung/Lammerhuber Veranstalter der
Tagung waren das
Amt für Stadtplanung und Verkehr der
Stadt Salzburg mit BewohnerService-Stellen, Jugendbeauftragtem, Gartenamt,
Info-Z, Initiative Architektur, ÖGLA, SIR, Spektrum und
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Hauptverantwortlich für die
Planung: DI Sabine Pinterits, Mag. Josef Reithofer. |
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Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
Robert-Jungk-Platz 1 | 5020 Salzburg | T 0043.662.873 206 | E: jungk-bibliothek@salzburg.at |
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