Ökologischer Fußabdruck

 

 

 

 

 

 

 

 „Leben auf großem Fuß“ - Das Fußabdruck-Spiel

Von HANS HOLZINGER

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Für (fast) alles im Leben verbrauchen wir Ressourcen. Der ökologische Fußabdruck rechnet diesen Umweltverbrauch in Fläche um. Wir brauchen Acker- und Weideland für Ernährung, Waldfläche für Holz- und Papiererzeugnisse, Siedlungsfläche für Gebäude und Straßen usw. 1 Einen großen Teil macht der sogenannte CO2- oder Klimafußabdruck aus. Er berechnet sich aus jener Fläche an Wald, die benötigt würde, um das vom Menschen erzeugte Klimagas Kohlendioxid wieder zu binden. 2

Dem Ökologischen Fußabdruck wird die Tragfähigkeit bzw. Fruchtbarkeit eines Landes oder der Erde gegenübergestellt. Man spricht von „Biokapazität“. Das ist jene Menge an Naturressourcen, die einem Land bzw. der Erde insgesamt dauerhaft zur Verfügung stehen. Der ökologische Fußabdruck ist somit eine Art Umweltwährung bzw. ein ökologisches Buchhaltungssystem, das anzeigt, wie viel wir verbrauchen und ob wir bereits über unsere Verhältnisse leben.

Der Fußabdruck der ÖsterreicherInnen

Teilt man die globalen Naturressourcen („globale Biokapazität“)  auf alle gleich auf, dann kommen auf jede/n ErdenbürgerIn 2,1 Hektar Fläche durchschnittlicher Fruchtbarkeit. Der ökologische Fußabdruck von Herrn und Frau Österreicher beträgt jedoch 5 Hektar und liegt damit knapp über dem europäischen Durchschnitt von 4,7 Hektar.3

 

Das heißt: Wir verbrauchen derzeit doppelt so viel als uns zustehen würde. Anders gewendet: Würden alle Menschen so leben wie wir in Europa, bräuchten wir mindestens  2 1/2 Planeten von der Art der Erde. Da hilft es wenig, dass die USA mit 9,5 Hektar fast doppelt so hoch liegen und auf fünf Planeten kommen. Die Kernaussage des Konzepts: Wir in den materiellen Wohlstandsländern leben auf zu großen Fuß, andere haben das Recht aufzuholen. So liegt der ökologische Fußabdruck in Indien derzeit bei nur 0,9 Hektar.

Stärken und Grenzen des Konzepts

Der „Ökologische Fußabdruck“ ist ein Maß für den „Naturkonsum“ eines Landes, d. h. berücksichtigt wird der Gesamtverbrauch eines Landes, der auch den importierten Naturverbrauch für alle Güter enthält, die wir aus anderen Ländern beziehen. Der „Footprint“, wie er auch genannt wird, gibt der Natur einen Wert, er geht vom Prinzip der gerechten Verteilung der Naturgüter aus und er ermöglicht ein Ranking zwischen Ländern - auch wenn dieses die Unterschiede innerhalb eines Landes nicht berücksichtigen kann.

So weist der „Living Planet Report 2008“ den Umweltverbrauch von über 170 Staaten der Erde aus.4 Der „Footprint“ misst freilich nicht alles: so bleibt die Verknappung nicht erneuerbarer Ressourcen, z. B. Erdöl, die Verwendung riskanter Technologien wie Atomenergie oder die Einhaltung von Menschenrechten bei der Produktion von Gütern unberücksichtigt. Nicht weil die Erfinder des Konzepts diese Dinge nicht wichtig fanden, sondern weil ein Messinstrument eben nicht alles messen kann. Hierfür braucht es andere Maßzahlen.

Ein großer Vorteil des Konzepts – das ist auch für die Schule interessant – liegt in der Möglichkeit, dass sich der Fußabdruck von Einzelpersonen berechnen lässt.  Man/frau kann seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck über einen speziellen Rechner eruieren, in dem man Fragen zu seinem Konsum- und Lebensstil beantwortet. 5

Das Fußabdruck-Spiel

Hier setzt ein von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen entwickeltes Fußabdruck-Spiel an. Es erlaubt, den ökologischen Fußabdruck als reale Fläche nachzuempfinden und ist somit eine sinnliche Ergänzung zum elektronischen Fußabdruckrechner.6 Das Spielfeld gibt den Fußabdruck von Herrn und Frau  Durchschnittsösterreicher zu den vier Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen und Konsum wieder. Entsprechend meinem eigenen Lebensstil kann ich nun Fußabdruck-Steine wegnehmen, wenn ich in einem der Bereiche besser bin als der Durchschnitt, wenn ich schlechter bin, muss ich solche dazulegen. „Wie oft in der Woche esse ich Fleisch?“, „Wie groß ist meine Wohnfläche?“, „Ist unser Haus wärmegedämmt?“, „Auf wie viele Autokilometer komme ich in der Woche?“, „Wie fahren wir in den Urlaub?“ „Welchem Konsumtyp ordne ich mich zu?“ – so einige der gestellten Fragen. Habe ich den persönlichen Fußabdruck gesetzt, kann ich diesen mit der österreichischen bzw. mit der mir global zustehenden Biokapazität vergleichen („Wie weit bin ich davon entfernt?“) Hierfür werden die Steine in Spieltafel 2 übertragen. Zudem können Schritte zur Verringerung des eigenen Footprint spielerisch erprobt werden („Was lasse ich weg, um meinen Fußabdruck zu verringern?“). Oder gar: Wie müsste ich leben, um den Fußabdruck eines Inders zu erreichen?

Beispiele

Der Durchschnittsösterreicher isst in der Woche fünf bis sechsmal Mal Fleisch zur Hauptmahlzeit und regelmäßig Wurst zur Jause und verursacht damit einen Fußabdruck von 0,76 Hektar (im Spiel 8 Steine). Wenn ich nur an drei Tagen Fleisch esse, kann ich entsprechend viele Steine wegnehmen. VegetariererInnen haben einen Fleisch-Fußabdruck von Null (= 0 Steine). Vergleiche machen den Umweltverbrauch unseres Verhaltens deutlich: So verursacht der Verzehr von 1 Kilogramm Fleisch denselben Fußabdruck wie der Verzehr von 10 Kilogramm Gemüse oder Obst. Bahnfahren hat einen bis zum 26-fachen niedrigeren Fußabdruck als das Auto. Am schlechtesten ist die Bilanz des Flugzeugs. Für einen Fernflug von 20 Stunden fällt ca 1 Hektar Fußabdruck an (=10 Steine). Da 60 Prozent des Ökologischen Fußabdrucks in Österreich allein der Verbrauch fossiler Energie ausmacht, abgeleitet aus jener Fläche Wald, die benötigt würde, um die von dadurch emittierten CO2-Mengen wieder zu binden, liegen die größten Einsparpotenziale in aktiven Klimaschutz.

Einsatz für Gruppen

Spannend ist auch das Spielen in der Gruppe. Dabei wird das „Gruppenoptimum“ angestrebt. Wer hat den niedrigsten Fußabdruck bei Mobilität, Konsum, Wohnen oder Ernährung? Schaffen wir als Gruppe die Österreich zur Verfügung stehende Biokapazität? Liegen wir über oder unter den anderen Gruppen? Die SpielerInnen kommen auf diesem Weg ins Gespräch über die eigenen Konsum- und Lebensstile und erproben im gegenseitigen Austausch Verhaltensänderungen. Nach dem Prinzip der positiven Bestärkung: „Wie gelingt dir dein niedriger Fußabdruck?“  Nicht zuletzt wird auch politisches Umweltengagement belohnt. Wer sich in der Schule, in einer Umwelt- oder Tierschutzinitiative für nachhaltiges Verhalten engagiert, darf ebenfalls seine Fußabdruck-Steine reduzieren. Denn: persönlich vorbildhaftes Verhalten ist gut, sich politisch dafür einzusetzen, dass das nachhaltige Verhalten zur neuen Norm für alle wird, ist ebenfalls wichtig! Neugierig geworden?

Hans Holzinger
Rückmeldungen: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Tel. 0662.873206, h.holzinger@salzburg.at


 

 

(1) Das wissenschaftliche Konzept geht zurück auf Mathis Wackernagel und William Rees. Vgl. deren Buch: Unser ökologischer Fußabdruck - Wie der Mensch Einfluss auf die Umwelt nimmt (Birkhäuser Verlag, Basel: 1997). Die fortlaufenden Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks erfolgen durch das Global Footprint Network www.globalfootprint.org.

(2) Beim derzeitigen CO2-Ausstoß Österreichs müsste dabei jährlich pro EinwohnerIn Wald von der Fläche zweier Fußballfelder gepflanzt werden!

(3) Die Berechnung erfolgt auf der Basis der nationalen Verbrauchsdaten für Lebensmittel, Energie und andere Ressourcen.

(4) Download unter www.footprint.at.

(5) In Österreich über den „rot-weiss-roten“ Fußabdruckrechner unter www.mein-fussabdruck.at. Seit kurzem gibt es sogar einen eigenen Rechner für Jugendliche unter www.footprintrechner.at.

(6) Die Spielvorlagen können kostenlos downgeloadet werden unter www.jungk-bibliothek.at/fussabdruckmaterialien.htm.

 

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H:
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