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Ökologischer Fußabdruck |
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Für
(fast) alles im Leben verbrauchen wir Ressourcen. Der ökologische Fußabdruck
rechnet diesen Umweltverbrauch in Fläche um. Wir brauchen Acker- und
Weideland für Ernährung, Waldfläche für Holz- und Papiererzeugnisse,
Siedlungsfläche für Gebäude und Straßen usw. 1 Einen großen Teil
macht der sogenannte CO2- oder Klimafußabdruck aus. Er berechnet sich aus
jener Fläche an Wald, die benötigt würde, um das vom Menschen erzeugte
Klimagas Kohlendioxid wieder zu binden. 2 Dem
Ökologischen Fußabdruck wird die Tragfähigkeit bzw. Fruchtbarkeit eines
Landes oder der Erde gegenübergestellt. Man spricht von „Biokapazität“. Das
ist jene Menge an Naturressourcen, die einem Land bzw. der Erde insgesamt
dauerhaft zur Verfügung stehen. Der ökologische Fußabdruck ist somit eine Art
Umweltwährung bzw. ein ökologisches Buchhaltungssystem, das anzeigt, wie viel
wir verbrauchen und ob wir bereits über unsere Verhältnisse leben.
Das
heißt: Wir verbrauchen derzeit doppelt so viel als uns zustehen würde. Anders
gewendet: Würden alle Menschen so leben wie wir in Europa, bräuchten wir
mindestens 2 1/2 Planeten von der Art
der Erde. Da hilft es wenig, dass die USA mit 9,5 Hektar fast doppelt so hoch
liegen und auf fünf Planeten kommen. Die Kernaussage des Konzepts: Wir in den
materiellen Wohlstandsländern leben auf zu großen Fuß, andere haben das Recht
aufzuholen. So liegt der ökologische Fußabdruck in Indien derzeit bei nur 0,9
Hektar. Stärken und Grenzen des Konzepts Der „Ökologische Fußabdruck“
ist ein Maß für den „Naturkonsum“ eines Landes, d. h. berücksichtigt wird der
Gesamtverbrauch eines Landes, der auch den importierten Naturverbrauch für
alle Güter enthält, die wir aus anderen Ländern beziehen. Der „Footprint“,
wie er auch genannt wird, gibt der Natur einen Wert, er geht vom Prinzip der
gerechten Verteilung der Naturgüter aus und er ermöglicht ein Ranking
zwischen Ländern - auch wenn dieses die Unterschiede innerhalb eines Landes
nicht berücksichtigen kann. So weist der „Living Planet
Report 2008“ den Umweltverbrauch von über 170 Staaten der Erde aus.4
Der „Footprint“ misst freilich nicht alles: so bleibt die Verknappung nicht
erneuerbarer Ressourcen, z. B. Erdöl, die Verwendung riskanter Technologien
wie Atomenergie oder die Einhaltung von Menschenrechten bei der Produktion
von Gütern unberücksichtigt. Nicht weil die Erfinder des Konzepts diese Dinge
nicht wichtig fanden, sondern weil ein Messinstrument eben nicht alles messen
kann. Hierfür braucht es andere Maßzahlen. Ein großer Vorteil des
Konzepts – das ist auch für die Schule interessant – liegt in der
Möglichkeit, dass sich der Fußabdruck von Einzelpersonen berechnen
lässt. Man/frau kann seinen
persönlichen ökologischen Fußabdruck über einen speziellen Rechner eruieren,
in dem man Fragen zu seinem Konsum- und Lebensstil beantwortet. 5
Das
Fußabdruck-Spiel Hier setzt ein von der
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen entwickeltes Fußabdruck-Spiel an.
Es erlaubt, den ökologischen Fußabdruck als reale Fläche nachzuempfinden und
ist somit eine sinnliche Ergänzung zum elektronischen Fußabdruckrechner.6
Das Spielfeld gibt den Fußabdruck von Herrn und Frau Durchschnittsösterreicher zu den vier Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen
und Konsum wieder. Entsprechend meinem eigenen Lebensstil
kann ich nun Fußabdruck-Steine wegnehmen, wenn ich in einem der Bereiche
besser bin als der Durchschnitt, wenn ich schlechter bin, muss ich solche
dazulegen. „Wie oft in der Woche
esse ich Fleisch?“, „Wie groß ist meine Wohnfläche?“, „Ist unser Haus
wärmegedämmt?“, „Auf wie viele Autokilometer komme ich in der Woche?“, „Wie
fahren wir in den Urlaub?“ „Welchem Konsumtyp ordne ich mich zu?“ – so einige
der gestellten Fragen. Habe ich den persönlichen Fußabdruck gesetzt, kann ich
diesen mit der österreichischen bzw. mit der mir global zustehenden Biokapazität
vergleichen („Wie weit bin ich davon entfernt?“) Hierfür werden die Steine in
Spieltafel 2 übertragen. Zudem können Schritte zur Verringerung des eigenen
Footprint spielerisch erprobt werden („Was lasse ich weg, um meinen
Fußabdruck zu verringern?“). Oder gar: Wie müsste ich leben, um den
Fußabdruck eines Inders zu erreichen?
Beispiele Der Durchschnittsösterreicher isst in der Woche fünf
bis sechsmal Mal Fleisch zur Hauptmahlzeit und regelmäßig Wurst zur Jause und
verursacht damit einen Fußabdruck von 0,76 Hektar (im Spiel 8 Steine). Wenn
ich nur an drei Tagen Fleisch esse, kann ich entsprechend viele Steine
wegnehmen. VegetariererInnen haben einen Fleisch-Fußabdruck von Null (= 0
Steine). Vergleiche machen den Umweltverbrauch unseres Verhaltens deutlich:
So verursacht der Verzehr von 1 Kilogramm Fleisch denselben Fußabdruck wie
der Verzehr von 10 Kilogramm Gemüse oder Obst. Bahnfahren hat einen bis zum
26-fachen niedrigeren Fußabdruck als das Auto. Am schlechtesten ist die Bilanz
des Flugzeugs. Für einen Fernflug von 20 Stunden fällt ca 1 Hektar Fußabdruck
an (=10 Steine). Da 60 Prozent des Ökologischen Fußabdrucks in Österreich allein
der Verbrauch fossiler Energie ausmacht,
abgeleitet aus jener Fläche Wald, die benötigt würde, um die von dadurch emittierten
CO2-Mengen wieder zu binden, liegen die größten Einsparpotenziale in aktiven
Klimaschutz. Einsatz für Gruppen Spannend
ist auch das Spielen in der Gruppe. Dabei wird das „Gruppenoptimum“
angestrebt. Wer hat den niedrigsten Fußabdruck bei Mobilität, Konsum, Wohnen
oder Ernährung? Schaffen wir als Gruppe die Österreich zur Verfügung stehende
Biokapazität? Liegen wir über oder unter den anderen Gruppen? Die
SpielerInnen kommen auf diesem Weg ins Gespräch über die eigenen Konsum- und
Lebensstile und erproben im gegenseitigen Austausch Verhaltensänderungen.
Nach dem Prinzip der positiven Bestärkung: „Wie gelingt dir dein niedriger
Fußabdruck?“ Nicht zuletzt wird auch
politisches Umweltengagement belohnt. Wer sich in der Schule, in einer Umwelt-
oder Tierschutzinitiative für nachhaltiges Verhalten engagiert, darf
ebenfalls seine Fußabdruck-Steine reduzieren. Denn: persönlich vorbildhaftes
Verhalten ist gut, sich politisch dafür einzusetzen, dass das nachhaltige
Verhalten zur neuen Norm für alle wird, ist ebenfalls wichtig! Neugierig geworden? Hans Holzinger (1) Das wissenschaftliche Konzept
geht zurück auf Mathis Wackernagel und William Rees. Vgl. deren Buch: Unser ökologischer Fußabdruck - Wie der Mensch Einfluss
auf die Umwelt nimmt (Birkhäuser Verlag, Basel: 1997). Die fortlaufenden
Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks erfolgen durch das Global Footprint
Network www.globalfootprint.org.
(2) Beim derzeitigen CO2-Ausstoß Österreichs müsste
dabei jährlich pro EinwohnerIn Wald von der Fläche zweier Fußballfelder
gepflanzt werden! (3) Die Berechnung erfolgt auf der Basis der
nationalen Verbrauchsdaten für Lebensmittel, Energie und andere Ressourcen. (4) Download unter www.footprint.at. (5) In Österreich über den
„rot-weiss-roten“ Fußabdruckrechner unter www.mein-fussabdruck.at. Seit
kurzem gibt es sogar einen eigenen Rechner für Jugendliche unter www.footprintrechner.at. (6) Die Spielvorlagen können kostenlos downgeloadet
werden unter www.jungk-bibliothek.at/fussabdruckmaterialien.htm. |
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Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
Robert-Jungk-Platz 1 | 5020 Salzburg | T 0043.662.873 206 | E: jungk-bibliothek@salzburg.at |
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