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Welche
Mobilität braucht Salzburg?
Der Wiener Verkehrsplaner Dr. Max Herry skizzierte bedenkliche Verkehrsprognosen,
ihre Klimarelevanz sowie Perspektiven einer Umsteuerung durch mehr Kostenwahrheit
im Verkehr.
Vortrag am 7. November 2007
Bericht: Hans Holzinger
Veranstalter: Grüne Wirtschaft
in Kooperation mit der JBZ
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„Österreich ist von einer nachhaltigen Mobilität weit entfernt“,
so die Aussage des Wiener Verkehrsplaner Max Herry jüngst in einem Vortrag
der Grünen Wirtschaft in Salzburg, die er mit eindrücklichen Zahlen belegte.
So haben sich die mit PKW zurückgelegten Wege in nur 30 Jahren vervierfacht
und stiegen von knapp 20 Mrd. Personenkilometer im Jahr 1960 auf 80 Mrd.
Personenkilometer im Jahr 2000. Die mit der Bahn zurückgelegten Wege nehmen
sich dagegen gering aus - sie wuchsen nur von 7,5 auf 9,5 Mrd.
Personenkilometer. Nicht anders stellt sich die Lage im Bereich des
Gütertransports dar: die mit LKW durchgeführte Transportleistung hat sich in
den letzen 5 Jahrzehnten verzwanzigfacht, jene der
Schiene ist „nur“ um das dreifache gestiegen. Und der Trend ist leider
ungebrochen, so der Verkehrsplaner: „Der Kfz-Verkehr wird in Österreich laut
Prognosen allein bis 2015 um bis zu weitere 50 Prozent zunehmen.“
Der Experte sieht dafür ökonomische und
soziodemografische Gründe. Wirtschaften geschieht heute in größeren Räumen:
„Der Güterverkehr ist bedeutend stärker als die Wirtschaft.“ Aufgrund des
größeren Wohlstand ist zudem der Pkw-Besitz rasant gestiegen: „Mittlerweile
verfügen 90 Prozent der österreichischen Haushalte über ein Auto, die Hälfte
davon über zwei oder sogar drei“, so Herry.
Steigender Pendler- und
Freizeitverkehr
Zugenommen hat der
Pendlerverkehr – der durchschnittliche Weg der nach Wien Einpendelnden
beträgt mittlerweile 80 Kilometer, der Besetzungsgrad pro PKW österreichweit lediglich 1,05 Personen. Es steigt aber
auch der übrige Verkehr für Einkaufen, Kindertransporte und Freizeitwege.
Gravierend seien die veränderten Wohnstrukturen durch Zersiedelung und Zunahme der
Einpersonen-Haushalte. Das Hauptproblem stellt nach herry demnach nicht mehr
der Binnenverkehr in den Städten dar, sondern der durch das Umland
verursachte: „So werden die Binnenwege in der Stadt Salzburg zu 70 Prozent
per Umweltverbund - zu Fuß, mit dem Rad und dem Öffentlichen Verkehr - und
nur 30 Prozent mit dem Auto zurückgelegt, beim die Stadtgrenzen
überschreitenden Verkehr fallen jedoch 80 Prozent auf das Auto, das sind vier
von fünf Wegen.“
Österreichs Klimaziele würden bei der zu
erwartenden Fortschreibung der Verkehrsentwicklung weit verfehlt, so der
Verkehrsplaner. Hauptverantwortlich macht er dafür drei Trends: Der
Personenkreis, der über einen uneingeschränkten Zugang zu einem PKW vor der
eigenen Haustüre verfügt, wurde stark ausgeweitet. („Jeder 18-Jährige verfügt
heute ganztägig über einen eigenen PKW.“) Zweitens: Die Wege werden für alle
Wegezwecke immer länger („Ausweitung der Distanzen“). Drittens hat die
Verteuerung des Sprits bislang zu keiner Veränderung des Mobilitätsverhaltens
geführt („hohe Preiselastizität“ der Autofahrenden).
Fünf Lösungsräume – Umdenken im
Kopf
Was ist zu tun? Herry
machte fünf Lösungsräume aus, denen er jeweils 20 Prozent Lösungskapazität
zuschrieb. Am vertrautesten sei der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, eine
Maßnahme, die jedoch meist überschätzt werde. „Solange die uneingeschränkte
Verfügbarkeit über Autos und Straßen gegeben ist, können wir die ÖBB
vergolden und werden dennoch nichts erreichen“, so der Experte pointiert.
Überschätzt würden meist auch die Potenziale der Verkehrsoptimierung durch Telematik und moderne Logistik: „Diese bringen ein
Prozent Verkehrseinsparung pro Jahr bei einer Jahreszunahme des Verkehrs um 5
Prozent.“ Ebenso wichtig wie neue Technologien sind für Herry preisliche
Maßnahmen („Pricing“), die für Kostenwahrheit
sorgen. Um die 5 Mrd. Euro Infrastrukturkosten sowie die 5 bis 8 Mrd.
externen Kosten des Straßenverkehrs (durch Unfälle, Gesundheits- und
Umweltschäden), die in Österreich pro Jahr anfallen, hereinzubringen, müsste
die gegenwärtige Maut laut Herry verdoppelt werden. Der Wirtschaft würde dies
nicht schaden, „da die Verkehrskosten am Endprodukt im Durchschnitt lediglich
zwei Prozent ausmachen – und davon die Maut nur wiederum 15 Prozent“, so der
Experte, der auch für Quersubventionierungen des Öffentlichen Verkehrs durch
die Straße analog dem Schweizer Modell plädierte. Zwei Drittel der Einnahmen
der Schwerverkehrsabgabe gehen bei den Eidgenossen in Schienenprojekte. Als
vierten Bereich nannte Herry Optimierungen im Fahrzeugsektor (energiesparende
Antriebe) sowie im Fahrverhalten (spritsparendes Fahren).
Mobilitätsmanagement
Ganz wichtig seien aber schließlich Maßnahmen der Bewusstseinsbildung
(„Public Awarness“), die zu „geistigen Trendbrechern“
im Wirtschafts- wie im Personenverkehr führen würden. Einen Beitrag dazu
liefert der Verkehrsplaner mit Mobilitätsmanagementprozessen, die
mittlerweile in über 250 österreichischen Unternehmen umgesetzt wurden und
pro Betrieb zu CO2-Einsparungen bis zu 5000 Tonnen im Jahr
führten. Ein großes Potenzial, wenn man bedenkt, dass einer Tonne CO2
etwa 1500 – 2000 Fahrkilometer entsprechen, so Herry. Ausgelotet werden
Effizienzpotenziale, die nicht nur Umwelt- und Gesundheitsschäden verringern,
sondern auch betriebswirtschaftliche Vorteile verschaffen. So hat die Post AG
– ein Kunde von Herrys Consultingbüro
- allein durch „Spritspartrainings“ 5 Mio. Euro pro Jahr eingespart.
Interessierte Betriebe können sich an das Österreichische Lebensministerium
wenden, welches das Mobilitätsmanagement auch finanziell analog den durch
Maßnahmen eingesparten CO2-Mengen unterstützt.
Weitere Infos: office@herry.at. Unterlagen zum Vortrag: office@gruenewirtschaft.at


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