Robert-Jungk-Stipendium 2009

 

Eva Nittmann, Foto: JBZ/Holzinger

Robert-Jungk-Stipendiatin 2009

Eva Nittmann

Thema ihrer Forschungstätigkeit:

Neue soziale Bewegungen in Lateinamerika - Möglichkeiten emanzipatorischer Gesellschaftsgestaltung?

Dauer des Stipendiums: 2. 5. - 30. 6. 2009

Vorstellung der Ergebnisse: 2. Juli 2009 im JBZ-Lesecafe (19 Uhr)

 

Hintergrund und Ziele der Forschungsarbeit

War Lateinamerika in den 60/70er Jahren als Hoffnungsträger auf gesellschaftliche Veränderung noch in aller Munde, so wurde dieses Bild bald durch gescheiterte Emanzipationsversuche, die vermehrte Präsenz von Militärdiktaturen einhergehend mit der repressiven Unterdrückung von progressiven Gesellschaftsgruppen und durch die Schuldenkrise der 80er Jahre stark getrübt. Die Aussicht auf eine nachhaltige Entwicklung des lateinamerikanischen Kontinents schien zunehmend unwahrscheinlicher.

Den angeblichen „Rettungsanker“ schickten der IWF und Weltbank, verpackt in Strukturanpassungsprogrammen, Bündel von wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung propagierten und das liberale Wirtschaftmodel nahezu flächendeckend durchsetzten. Diese oft gegen den Willen der Entwicklungsländer aufoktroyierten Programme gingen einher mit einer starken Rücknahme sozialer Reformen. In vielen Fällen wurden Handelsinteressen gegenüber Umwelt, Menschenrechten, Demokratie  und sozialer Gerechtigkeit in den Vordergrund gestellt. Eine enorme soziale Polarisierung war die Folge, von den marktwirtschaftlichen „Erfolgen“ profitieren nur wenige.

Nach einer langen Phase der neoliberalen Hegemonie geriet das vorherrschende Wirtschaftsmodell ab den 90er Jahren zunehmend in eine Krise. Eine Krise, die sich zur treibenden Kraft entwickelt hat, um einen einzigartigen emanzipatorischen Prozess auf dem Lateinamerikanischen Kontinent in Gang zu setzen, aus dem sich unterschiedlichste neue soziale Bewegungen entwickelt haben, die das politische Bild Lateinamerikas weitgehend verändert haben und weiterhin verändern. Lateinamerika beherbergt eine wachsende Anzahl von solidarischen Selbsthilfeprojekten, die mit einem umfassenden politischen Wandel einhergehen.

Die Grenzen des Kapitalismus neoliberaler Prägung  sind mittlerweile weltweit sicht- und spürbar. Höchste Zeit sich auf die Suche nach alternativen, nachhaltigeren Entwicklungsmodellen  zu machen, die dem Credo des wirtschaftlichen Wachstums  und Profitstreben entgegengesetzt werden können.

In dieser Forschungsarbeit möchte ich auf verschiedene Bewegungen/Projekte zivilgesellschaftlichen und politischen Engagements aus Lateinamerika aufmerksam machen,  um Möglichkeiten einer alternativen Gesellschaftsgestaltung aufzuzeigen und zu sammeln.

Die Auswahl der vorgestellten Projekte soll sich auf Initiativen beschränken, die auch für ein von der Krise erschüttertes Europa richtungweisend sein könnten und Anstöße für eine alternative Gesellschaftsentwicklung geben könnten, die sich nicht an rein wachstumorientierten Faktoren misst.

Anhand eines Dossiers soll ein Einblick in unterschiedlichste Praktiken und Perspektiven des zivilgesellschaftlichen Engagements Lateinamerikas gegeben werden, wobei die Beiträge  in  verschiedenen Themenbereichen zusammengefasst werden (Solidarökonomie, Partizipative Demokratie, Pädagogik etc.)

Weiters soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit diese neuen sozialen/politischen Prozesse wissenschaftlich untermauert bzw. verankert sind, und gegebenenfalls wichtige lateinamerikanische Vordenker bzw. Institutionen, die sich mit dem Bereich Zukunftsforschung auseinandersetzen, kurz vorgestellt werden.

 

Vorgehen und Methode

Expertinnenbefragung (telefonisch und persönlich)

Literaturrecherche (kurzfristig verfügbare Fachpublikation aus dem In- und Ausland)

Dokumentation der Ergebnisse

Eva Nittmann, Kurzbiographie

Diplomstudium Romanistik / Spanisch in Verbindung mit Internationaler Entwicklung an der Universität Wien und Abschluss des Interdisziplinären Lateinamerika- Lehrgangs am Lateinamerika Institut in Wien.

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt vor allem im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Im Anschluss ans Studium folgte ein einjähriger Aufenthalt in London als Project Assistent des Women`s Economic Rights Programme beim Central American Women`s Network (Sep.07 bis Jul.08). Anschließendes Praktikum im internationalen Sekretariat bei Transparency International im Global Programms Department in Berlin (Sep.08 bis Feb.09).

 

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