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Hintergrund und
Ziele der Forschungsarbeit
War
Lateinamerika in den 60/70er Jahren als Hoffnungsträger auf
gesellschaftliche Veränderung noch in aller Munde, so wurde dieses Bild
bald durch gescheiterte Emanzipationsversuche, die vermehrte Präsenz von
Militärdiktaturen einhergehend mit der repressiven Unterdrückung von
progressiven Gesellschaftsgruppen und durch die Schuldenkrise der 80er
Jahre stark getrübt. Die Aussicht auf eine nachhaltige Entwicklung des
lateinamerikanischen Kontinents schien zunehmend unwahrscheinlicher.
Den
angeblichen „Rettungsanker“ schickten der IWF und Weltbank, verpackt in
Strukturanpassungsprogrammen, Bündel von wirtschaftspolitischen Maßnahmen,
die Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung propagierten und das
liberale Wirtschaftmodel nahezu flächendeckend durchsetzten. Diese oft
gegen den Willen der Entwicklungsländer aufoktroyierten Programme gingen
einher mit einer starken Rücknahme sozialer Reformen. In vielen Fällen
wurden Handelsinteressen gegenüber Umwelt, Menschenrechten, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit in den
Vordergrund gestellt. Eine enorme soziale Polarisierung war die Folge, von
den marktwirtschaftlichen „Erfolgen“ profitieren nur wenige.
Nach
einer langen Phase der neoliberalen Hegemonie geriet das vorherrschende
Wirtschaftsmodell ab den 90er Jahren zunehmend in eine Krise. Eine Krise,
die sich zur treibenden Kraft entwickelt hat, um einen einzigartigen
emanzipatorischen Prozess auf dem Lateinamerikanischen Kontinent in Gang zu
setzen, aus dem sich unterschiedlichste neue soziale Bewegungen entwickelt
haben, die das politische Bild Lateinamerikas weitgehend verändert haben
und weiterhin verändern. Lateinamerika beherbergt eine wachsende Anzahl von
solidarischen Selbsthilfeprojekten, die mit einem umfassenden politischen
Wandel einhergehen.
Die
Grenzen des Kapitalismus neoliberaler Prägung sind mittlerweile weltweit sicht- und
spürbar. Höchste Zeit sich auf die Suche nach alternativen, nachhaltigeren
Entwicklungsmodellen zu machen, die
dem Credo des wirtschaftlichen Wachstums
und Profitstreben entgegengesetzt werden können.
In
dieser Forschungsarbeit möchte ich auf verschiedene Bewegungen/Projekte
zivilgesellschaftlichen und politischen Engagements aus Lateinamerika
aufmerksam machen, um Möglichkeiten
einer alternativen Gesellschaftsgestaltung aufzuzeigen und zu sammeln.
Die
Auswahl der vorgestellten Projekte soll sich auf Initiativen beschränken,
die auch für ein von der Krise erschüttertes Europa richtungweisend sein
könnten und Anstöße für eine alternative Gesellschaftsentwicklung geben
könnten, die sich nicht an rein wachstumorientierten Faktoren misst.
Anhand
eines Dossiers soll ein Einblick in unterschiedlichste Praktiken und
Perspektiven des zivilgesellschaftlichen Engagements Lateinamerikas gegeben
werden, wobei die Beiträge in verschiedenen Themenbereichen
zusammengefasst werden (Solidarökonomie, Partizipative Demokratie,
Pädagogik etc.)
Weiters soll der Frage nachgegangen werden,
inwieweit diese neuen sozialen/politischen Prozesse wissenschaftlich untermauert
bzw. verankert sind, und gegebenenfalls wichtige lateinamerikanische
Vordenker bzw. Institutionen, die sich mit dem Bereich Zukunftsforschung
auseinandersetzen, kurz vorgestellt werden.
Vorgehen und Methode
Expertinnenbefragung (telefonisch und persönlich)
Literaturrecherche (kurzfristig verfügbare Fachpublikation aus dem
In- und Ausland)
Dokumentation
der Ergebnisse
Eva
Nittmann, Kurzbiographie
Diplomstudium
Romanistik / Spanisch in Verbindung mit Internationaler Entwicklung an der
Universität Wien und Abschluss des Interdisziplinären Lateinamerika- Lehrgangs
am Lateinamerika Institut in Wien.
Der
Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt vor allem im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit.
Im Anschluss ans Studium folgte ein einjähriger Aufenthalt in London als
Project Assistent des Women`s Economic Rights
Programme beim Central American Women`s Network (Sep.07 bis Jul.08). Anschließendes Praktikum
im internationalen Sekretariat bei Transparency
International im Global Programms Department in Berlin (Sep.08 bis Feb.09).
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