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Robert-Jungk-Stipendiat 2011 |
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„Halbierte Demokratie“ - Drei große Herausforderungen Drei zentrale Probleme der
gegenwärtigen Politik benannte Göll im Pressegespräch: Wir befänden uns in
einer „halbierten Demokratie“, in der zentrale ökonomische Entscheidungen dem
politischen Prozess entzogen sind, etwa im Bereich der internationalen
Finanzarchitektur oder der Standortwahl von Konzernen. Zweitens bestehe die
Gefahr der Erosion auch der klassischen Demokratie durch soziale
Polarisierung, Eventisierung des Politischen und Entsolidarisierung. Drittens
seien wir derzeit – so der Zukunftsforscher mit Blick auf Nachhaltigkeit -
nicht in der Lage, auf existenzielle Herausforderungen wie Hunger oder
Klimawandel wirksame Antworten zu geben. Mangel an Expertisen über das „Wie“ – „Roadmaps“ notwendig Szenarien der
Zukunftsforschungen, aber auch Zukunftsentwürfe der Science-Fiction
beschränken sich weitgehend auf die Beschreibung von möglichen oder
gewünschten Zukunftsbildern. Kaum thematisiert werde aber die Frage, wie wir
dort hinkommen, so der Zukunftsforscher. Notwendig seien daher
Handlungsstrategien, „Roadmaps“, um als wichtig erkannte Ziele zu erreichen,
etwa in der Energie- oder Sozialpolitik. Auch wenn die Politik einer
bedeutend größeren Komplexität unterliege als etwa ein einzelnes Unternehmen,
müsse sie so etwas wie Projektmanagement durchführen, um Ziele erreichen zu
können. In vielen Zukunftsszenarien würde
überdies die Technologieorientierung überwiegen, etwa im Millennium-Projekt
der Universität der Vereinten Nationen, welches zweijährig Berichte zum
„State of the Future“ herausgibt, meinte Göll weiter. Ebenso wichtig seien
jedoch soziale und kulturelle Aspekte, beispielsweise Sichtweisen aus
unterschiedlichen Kulturen oder aus der Genderperspektive. Denn jedes System
habe seine eigenen „Tabus“, womit manchmal fatale Handlungsblockaden
verbunden seien. „Governance“ als Beteiligung aller Anspruchsgruppen Auf die Frage, wie Regierungen
„zukunftsfit“ werden könnten, verwies Göll insbesondere auf eine neue
„Beteiligungskultur“. Alle Betroffenen, Unternehmen, Anwohner und andere
Anspruchsgruppen, sollen frühzeitig in Diskussions- und Entscheidungsprozesse
einbezogen werden. Als Beispiel erwähnte Göll eine finnische
Nachhaltigkeitskommission, in der alle zentralen Akteure eingebunden waren und
die vom finnischen Präsidenten persönlich (!) geleitet wurde. Weitere Kriterien für
Zukunftsfitness der Politik sind für den Experten die Rückkehr zu „kleineren
Lebenseinheiten“, sprich Dezentralisierung, das „Setzen auf Pluralität und
Toleranz“, was von reifen Individuen verlangt werde, sowie ein ganzheitlicher
Blick auf Probleme und Lösungsansätze. Technisch würden die Chancen des
Internets neue Formen der Partizipation sowie des öffentlichen Diskurses im
Sinne von „e-Democracy“ ermöglichen. Rolle von Werten - Begeisterungsfähigkeit Als Soziologe betonte Göll
schließlich die große Rolle, die Werte im Hinblick auf politisches Handeln
spielen. Ein „Ethos der Nachhaltigkeit“ müsse erst entwickelt werden, so
Göll: „Dazu braucht es auch Politiker und Politikerinnen, die in der Lage
sind, kraft ihrer Persönlichkeit für neue Ziele zu begeistern.“ Der Forschungsbericht wird auf
der Homepage der JBZ publiziert und steht zum Download bereit unter: http://www.jungk-bibliothek.at/rjseinf.htm
Dr. Edgar Göll, M.P.A., geboren
1957 in Hessen, studierte nach einer Werkzeugmacherlehre an verschiedenen
Hochschulen und Universitäten in Deutschland und den USA Soziologie und
Verwaltungswissenschaften. Er ist seit 1995
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zukunftsstudien und
Technologie (IZT) in Berlin. Zwischenzeitlich war er Consultant Future
Berater und Senior Researcher am
Center for Future Research Studies (CFS) eines regierungsnahen Think Tanks in
Kairo, am Österreichischen Institut für Nachhaltigkeit (ÖIN) in Wien,
Sachverständiger in zwei parlamentarischen Enquetekommissionen und er ist
Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin für den neuen
Masterstudiengang Zukunftsforschung. |
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Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
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