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Zukunftskommentar |
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Wir leben über unsere Verhältnisse Enorme
Summen werden aufgeboten, um die maroden Banken wieder fit zu kriegen und zu
verhindern, dass die Wachstumsmaschine „Wirtschaft“ ins Stocken gerät.
Bestünde die weiterreichende Chance der aktuellen Krise nicht darin, zu
erkennen, dass ihre zentrale Ursache gerade in der Vorstellung vom
permanenten Wachstum liegt. Ein System, das auf andauernde Treibstoffzufuhr
angewiesen ist – sei es in Form von Öl oder Kapital –, kann nicht stabil
sein. Ökologische Kreditkrise So
wäre endlich der Mut gefordert, uns einzugestehen, dass wir über unsere Verhältnisse
leben – ökologisch wie ökonomisch. Der vor kurzem erschienene
Living Planet Report 2008, der den ökologischen Fußabdruck von gut 170
Staaten ausweist, spricht folgerichtig nicht nur von einer ökonomischen,
sondern auch von einer „ökologischen Kreditkrise“. Wir verwerten nicht nur
die Zinsen des Naturkapitals, sondern knabbern die Substanz an. Zwei ein halb
Planeten der Qualität der Erde wären nötig, würden alle Menschen so leben wie
wir im reichen Europa, so die Kernaussage des Konzepts vom ökologischen
Fußabdruck. Da beruhigt nicht, dass etwa die USA noch bedeutend mehr
Ressourcen verbrauchen. Geistige Konjunkturpaket für einen postkonsumistischen Lebenstil Neben
einem Konjunkturpaket für die überfällige Energiewende ginge es demnach auch
um ein geistiges Konjunkturpaket, das einen postkosumistischen Lebensstil
schmackhaft macht. Die Ankurbelung des „privaten Konsums“ über die
Befriedigung von Grundbedürfnissen hinaus ist aus Nachhaltigkeitsperspektive ökologisch
kontraproduktiv. Garantierte Mindesteinkommen, die attraktives Wohnen oder Lebensmittel guter Qualität für
alle leistbar machen, sind sinnvoll. Konsumschübe, die noch mehr
Flachbildschirme über die Verkaufsrampen gehen lassen oder Fernflugtickets
über die Schalter der Reisebüros, sind es nicht. Nachhaltiger und
zukunftsfähiger wäre hier „öffentlicher Konsum“, das heißt Investition in
Bildung, Soziales und Kultur. Qualitätswachstum Umstieg
auf Qualitätswachstum erfordert dabei auch eine neue Steuerkultur, sprich die
Beteiligung aller an der Finanzierung der öffentlichen Aufgaben gemäß ihrem
Vermögen (In derselben Ausgabe erschien ein Bericht über „Die teuren
Vergnügen der Reichen“). Dies auch, um die drohende Zunahme von Arbeitslosigkeit
abfedern zu können: etwa durch Förderung neuer Arbeitszeitmodelle, die
Kürzer-Arbeiten attraktiver machen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
erhöhen und dem um sich greifenden Stress entgegenwirken. Denn: es gibt auch
ein Leben nach bzw. jenseits der (Erwerbs)Arbeit. |
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