Kommentar zum Weltwassertag 2009

 

 

 

 

Es ist genug für alle da!

Strategien zur Überwindung von Wasserarmut und Wasserraub

Von HANS HOLZINGER

 

Der Artikel ist nach Rücksprache mit dem Verfasser zum Nachdruck frei.

 

 

 

 

Wasser ist ungleich verteilt - ungerechte Natur

Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt.  Wasser ist das Hauptelement unseres Planeten. 1,4 Milliarden Kubikmeter gibt es davon. Doch nur ein kleiner Teil, nämlich 2,5 Prozent, ist dem Süßwasser zuzurechnen, wovon wiederum ein großer Teil in Form von Eis gebunden ist. Denkt man sich das gesamte Wasser der Erde in einer Badewanne, so würde die jährlich verfügbare sich erneuernde Menge nur knapp einen Teelöffel füllen. Und doch würde diese Menge ausreichen, um alle Menschen mit genügend Wasser zu versorgen. Warum gibt es dennoch Wasserarmut? Zum einen ist die Natur ungerecht. Die Wasserressourcen sind ungleich verteilt. Es gibt wasserarme und wasserreiche Regionen. Stehen in wasserreichen Ländern bis zu 10.000 Kubikmeter pro Person und Jahr zur Verfügung, sind es in wasserarmen oft nur einige hundert Kubikmeter. Österreich zählt zu den wasserreichsten Ländern der Erde und damit zu den Wasserglücklichen.

 

Aber auch der Zugang zu Wasser ist ungleich – ungerechte Wirtschaft

Ungerecht verteilt ist aber auch die Verfügungsmacht über Wasser. Wasser bekommt, wer es sich leisten kann. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu ausreichendem Trinkwasser. 2,6 Milliarden verfügen über keine zufrieden stellende Sanitäreinrichtungen. Viele Menschen in wasserarmen Regionen – es sind vornehmlich die Frauen – müssen weite Wege zu Brunnen zurücklegen, um überhaupt an Wasser heranzukommen, und tragen dieses unter großen Strapazen in Gefäßen zurück in ihre Häuser. In knapp 20 Jahren könnte Trinkwasser für 1,8 Milliarden Menschen absolute Mangelware sein, und zwei Drittel der Weltbevölkerung werden dann auch nicht einfach einen Wasserhahn aufdrehen oder einen nahegelegenen Brunnen anzapfen können und auch keinen Zugang zu ausreichend Hygiene und Sanitäranlagen haben so mahnte der Vize-Generalsekretär der Vereinten Nationen, Sha Zukang, im UN-Radio anlässlich des Weltwassertages. Bereits heute sterben über 2 Millionen Menschen sterben im Jahr wegen Wassermangel und fehlender Sanitäreinrichtungen, so Schätzungen der Vereinten Nationen. 4000 Kinder sind es täglich, die dem Wasserstress  zum Opfer fallen.

 

Leben im Wasserstress – wasserintensives Wirtschaften

Der Wasserstressindex gibt Auskunft über das Verhältnis zwischen Wasserbedarf und Verfügbarkeit von sich erneuerndem Süßwasser. Er zeigt Regionen bzw. Länder an, in denen Wasser knapp ist oder wird. 30 bis 50 Staaten der Erde leiden demnach permanent unter Wasserstress. In den letzten hundert Jahren hat sich der Wasserverbrauch weltweit verzehnfacht. Zwei Drittel des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft, ein Drittel verteilt sich auf Haushalte und Industrie. Die Zunahme des Wasserverbrauchs hängt zusammen mit dem Anwachsen der Bevölkerung, die auf Wasser angewiesen ist. Sie hat aber auch zu tun mit sich ändernden, sagen wir an Üppigkeit zunehmenden Wirtschafts- und Konsumstrukturen. Wir betreiben ein globalisiertes wasserintensives Wirtschaften. Wasser wurde Teil des internationalen Handelssystems, ohne dass dieses selbst die Grenzen überschreitet. Wie ist dies möglich?

 

Virtuelles Wasser in unseren Produkten

Mehr als das täglich für Kochen, Trinken, Duschen oder Toilette verbrauchte Wasser fallen jene Wassermengen ins Gewicht, die für die Erzeugung unserer Produkte aufgewendet werden. Man spricht hier vom virtuellen Wasser. Dem Direktverbrauch von etwa 130-150 Litern pro Tag steht in den Wohlstandsländern ein indirekter Wasserverbrauch von bis zu 4000 Litern gegenüber. Ein großer Teil davon wird mit Produkten gerade aus solchen Ländern importiert, die selbst über wenig Wasser verfügen. Allgemein steckt in Agrarprodukten sehr viel virtuelles Wasser, so auch in den „Cash Crops“, also jenen Lebensmittel, die die Länder des Südens an den Norden verkaufen, um an Devisen heranzukommen bzw. um ihren Schuldendienst für aufgenommene Kredite tilgen zu können. Auch für Produkte aus Aluminium, Edelmetall und Stahl sowie Erzeugnisse und Produktionsprozesse des Bergbaus, der Zement-, Chemie- und Getränkeindustrie werden teils enorme Wassermengen benötigt. Für 1 Kilogramm Aluminium werden etwa 100.000 Liter Wasser verbraucht. Auch diese Industrien „wandern“ vermehrt in Länder aus, wo die Löhne billig und die Umweltauflagen niedrig sind. Da der größte Teil dieser billig produzierten Produkte zurück auf unsere Ladentische wandert, nehmen wir auf diese Weise Menschen in anderen Ländern weiteres Wasser weg.

 

Kostbares Baumwoll-T-Shirt

Dies ist insbesondere problematisch, wenn die Produkte aus Ländern mit ohnedies niedrigen Wasserressourcen stammen: Südfrüchte, die auf Bewässerung angewiesen sind, oder Textilien aus dem wasserintensiven Rohproukt Baumwolle. In jedem Baumwoll-T-Shirt stecken 2.900 Liter Wasser. Für 1 Kilogramm Baumwolle werden 10.000 Liter Wasser benötigt. 3,7 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs der Landwirtschaft gehen in die Baumwollproduktion, das sind 120 Liter pro Tag und Person. Der Wasserhunger der Baumwollplantagen in Usbekistan hat etwa maßgeblich zum Austrocknen des Aralsees beigetragen. Aber auch in China, dem weltweit größten Baumwollproduzenten, oder in afrikanischen Baumwollländern, führt die Bewässerung der Plantagen zu Wasserknappheiten.

 

Wasserfußabdruck und Wasserraub

Der Wasserfußabdruck beziffert die Menge an Wasser, die in einem Land pro Kopf für seinen Konsum aufgewendet wird. Berechnet wird nicht nur der direkte Wasserverbrauch der Haushalte, sondern auch jener der konsumierten Produkte, eben das bereits angesprochene „virtuelle Wasser“. In Österreich macht dieser Wasserfußabdruck an die 4100 Liter pro Tag aus. Mehr als zwei Drittel davon – und das ist das Hauptproblem – steckt jedoch in Produkten, die wir einführen, sind also importiertes Wasser. Dieser Wasserverbrauch findet nicht im Land statt, sondern wird indirekt über Importgüter konsumiert. Ärmere Länder, die kaum Importe verzeichnen, aber etwa wasserintensive landwirtschaftliche Produkte exportieren, haben zwar einen hohen Wasserverbrauch, der jedoch zu einem großen Teil der einheimischen Bevölkerung entzogen wird. Die gegenwärtigen Wirtschaftsstrukturen haben daher mit Wasserraub zu tun.

 

Problem Fleischnahrung

In den täglichen Hauptmahlzeiten eines durchschnittlichen Europäers stecken zwischen 4.000 und 17.000 Liter Wasser, ein großer Teil davon geht für Fleischprodukte auf. Die weltweite Wasserknappheit wird verschärft durch einen sich global ausbreitenden fleischzentrierten Ernährungsstil. Was für die Wohlstandsländer selbstverständlich ist, mindestens drei bis fünfmal in der Woche Fleisch auf dem Tisch, leistet sich mittlerweile auch die Oberschicht in den Ländern des Südens. Sie nimmt damit den weniger Kaufkräftigen nicht nur Lebensmittel weg – das Getreide wird nun vermehrt an Tiere verfüttert, sondern eben auch Wasser. Denn für ein Kilogramm Rindfleisch werden an die 15.000 Liter Wasser verbraucht, für 1 Kilogramm Weizen sind es hingegen nur 1-1500 Liter, bei Reis sind es etwa 4500 Liter. Die Ausbreitung einer wasserintensiven Getränkeindustrie, die für den Markt der Reicheren (und Ferntouristen) produziert, verbraucht die Trinkwasserreserven der einfachen Bevölkerung, was etwa in Indien bereits zu großen Konflikten mit der Firma Coca Cola geführt hat.

 

Wasserverluste aufgrund mangelhafter Infrastrukturen

Ein großer Teil der Länder des Südens ist zur Erzeugung von Lebensmitteln auf künstliche Bewässerung angewiesen. Ein Siebtel der weltweiten Ackerflächen wird mittlerweile bewässert. Neben dem bereits angesprochenen kritischen Export wasserintensiver Produkte stellen veraltete Bewässerungsanlagen ein weiteres Problem dar. Flächenbewässerung führt etwa zu hohen Verdunstungsraten. Für die effizientere Tröpfchenbewässerung fehlt jedoch meist das nötige Geld. In vielen Städten geht bis zu einem Drittel des Trinkwassers aufgrund schadhafter Leitungen verloren. Auch hier scheitert die Erneuerung am Geldmangel.

 

Klimastress erhöht Wasserknappheit

Als zusätzliche Belastung gilt der globale Klimawandel, der ärmere Länder in der Regel stärker trifft als reiche, obwohl diese am wenigsten zu seiner Verschärfung beitragen. Trockene Gebiete etwa in Afrika werden durch den Anstieg der Temperaturen noch trockener, der Wasserbedarf für die Landwirtschaft steigt und führt zum beschleunigten Versiegen der Grundwasserreservoire. Zum anderen verringert das Abschmelzen großer Gletschermassive etwa im Himalaja oder in den Anden die natürlichen Wasserspeicher. Gletschereis, das sich jährlich in den kälteren Jahreszeiten aufgebaut und in den wärmeren Perioden als Schmelzwasser die Grundwasserreservoire aufgefüllt hat, geht verloren. Der Klimastress verstärkt den Wasserstress der von der Natur ohnedies bereits Benachteiligten.

 

Strategien gegen den Wasserstress

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) geht vom Grundrecht auf 20 Liter sauberes Wasser pro Person und Tag aus, das kostenlos für die Ärmsten zur Verfügung gestellt werden müsste, um ein Überleben für alle Menschen zu sichern. Wie lässt sich dieses Ziel erreichen und was können wir hierfür beitragen?

 

§          Bewusster Konsum: Der Wasserraub durch importierte Produkte lässt sich verringern durch bewussteren Konsum. Wenn ich etwa statt zehn Billig-Baumwoll-T-Shirts ein Qualitätsprodukt kaufe, das zehn Mal so lange hält, kann ich nicht nur Geld, sondern auch Wasser sparen helfen. Lebensmittel aus der Region geben die Sicherheit, dass dafür nicht Menschen in wasserarmen Gebieten das kostbare Nass geraubt wurde. Da der Wasserfußabdruck den einzelnen Produkten ja nicht auf das Etikett aufgedruckt ist, hilft hier freilich nur Bewusstseinsbildung durch Informationsbroschüren, Veranstaltungen, Medienberichte usw.

 

§          Effiziente Bewässerungsanlagen: Ein zweiter Schritt besteht in einem Ausbau der Entwicklungszusammenarbeit hinsichtlich Wassertechnologien. Methoden des „Water Management“, des effizienten Sammelns und Verteilens von Wasser in modernisierten Bewässerungsanlagen, helfen kostbares Nass wirksam einzusetzen. Tröpfchenbewässerung („More Crops per Drop“), naturangepasste Anbaumethoden, die Wasser speichern und Wüstenbildung vorbeugen, oder Ansätze von Mischkulturen, die etwa Reisanbau und Fischzucht verbinden, wären Beispiele hierfür.

 

§          Aufbau von Wasserinfrastrukturen: Der Aufbau von intakten öffentlichen Wasserversorgungsinfrastrukturen in den Städten und nicht deren Privatisierung - Konzerne verkaufen Wasser nur mehr an jene, die genügend dafür bezahlen können - wären eine weitere sinnvolle Maßnahme der Entwicklungszusammenarbeit. Das Knowhow ist vorhanden, häufig fehlen nur die Mittel. Mit einem Bruchteil dessen, was derzeit fweltweit für Rüstung ausgegeben wird, ließe sich die Wasserversorgung aller Menschen sicherstellen. Es bräuchte nur den Willen der internationalen Staatengemeinschaft.

 

§          Freier Zugang z Wasser: Wasser als Grundnahrungsmittel muss für alle Menschen günstig bzw. frei zugänglich bleiben. Das ist gerade für Menschen mit geringerer Kaufkraft eine Überlebensnotwendigkeit. Gegenüber den Begehrlichkeiten etwa von großen Konzernen, die das Wasser für ihre Produktionszwecke aufkaufen, helfen nur Wasserverträge, die der Grundversorgung der örtlichen Bevölkerung Vorrang einräumen. Wassergenossenschaften, die beispielweise das Bild der Wasserversorgung in Österreich prägen, sind eine kluge Erfindung unserer Vorfahren. Traditionelle Regelungen über den Zugang zum Wasser gab und gibt es auch in den Ländern des Südens. Sie können die Basis sein für eine dezentrale Wasserversorgung, in der jene, die existenziell auf diese zentrale Ressource angewiesen sind – die indische Ökonomin Vandana Shiva spricht vom „blauen Gold“ – auch das Verfügungsrecht darüber bekommen.

 

§          Nicht zuletzt heißt Wasserpolitik auch Klimapolitik. Nur wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes, der die globalen Ökosysteme durcheinander bringt, können verhindern, dass der Klimawandel zum Klimachaos wird. Schöne Sonntagsreden werden hierfür nicht reichen!

 

Quellen:

Living Planet Report (2008), Tatort Eine Welt (2007), Atlas der Globalisierung spezial „Klima“ (2007), Vandana Shiva: Der Kampf um das blaue Gold (2003), Mensch, Wasser. Report über die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Zukunft der Wasservorräte (2000).

 

Links:
Weltwasserentwicklungsbericht:
www.unesco.org/bpi/wwdr/World_Water_Report_exsum_ger.pdf
Living Planet Report: http://www.wwf.at/functions/php/force_download.php?download=559

UN Water: www.unwater.org

Stern: http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Wassermangel-Tausende-Kinder/614674.html

Arte TV: www.arte.tv/wasser     

 

Mag. Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Autor von „Nachhaltig leben – 25 Vorschläge für einen verantwortungsvollen Lebensstil“, Mitglied des Entwicklungspolitischen Beirats des Landes Salzburg. Rückmeldungen an h.holzinger@salzburg.at

 

Ihre Meinung

 

Mit Interesse habe ich den Kommentar von Hans Holzinger zum Weltwassertag 2009 gelesen. Er hat bei mir zwiespältige Eindrücke hervorgerufen, die ich im Interesse der Sache formulieren möchte.

 

Ich finde es wichtig, Probleme ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, die den Blick über zeitlich und örtlich begrenzte Interessen hinausführen. Der Zuwachs der Weltbevölkerung, die daraus folgenden Ansprüche auf Nahrung, Wasser, Energie, usw. und die möglichen Folgeschäden sind ein zentraler Punkt politischer Überlegungen. Deswegen unterstütze ich die Global Marshall Plan Initiative.

 

Ich finde es richtig, dass es nicht bei einer bloßen Beschreibung des Problems bleibt, sondern auch Lösungen vorgeschlagen werden. Dabei zeigt sich allerdings, dass eine Übereinstimmung in den Zielen leider keineswegs eine Übereinstimmung in den Methoden, mit denen man die Ziele zu erreichen hofft, bedeuten muss.

 

Kapitalismuskritik ist berechtigt und ich kann manchem davon zustimmen. Appelle zum Sparen und zum lokalen Wirtschaften sind löblich, werden aber zur Lösung der Wasserversorgung von 9 Milliarden Menschen wohl nur begrenzt beitragen, genauso viel (oder wenig) wie Autofasten und Kleinkraftwerke zur Lösung des weltweiten Energiebedarfs. Die Suggestion, globale Probleme durch individuelle Verhaltensänderungen lösen zu können, erscheint mir nicht nur etwas naiv, sondern auch gefährlich, da dadurch Lösungen mit Einsatz innovativer Technik beinahe von vornherein abgewertet werden. Dabei will ich keineswegs die letzteren Maßnahmen gegen die ersteren ausspielen; ich bin überzeugt, dass beide notwendig sind.

 

Warum wird im Kommentar die Meerwasserentsalzung mit keinem Wort erwähnt ? Ja, ich weiss, dass die derzeitig verwendeten Techniken alles andere als umweltfreundlich sind. Aber in Wikipedia findet man eine Anzahl von Projekten für Entsalzungsanlagen, die mit Wind - oder Solarenergie betrieben werden sollen. Ich bin überzeugt, dass die Versorgung küstennaher Grossstädte und landwirtschaftlicher Betriebe mit Wasser langfristig durch solche Anlagen sichergestellt wird.

 

Noch einige Bemerkungen zum "Wasserraub". Ich will nicht bestreiten, dass kapitalistisches Wirtschaften mit Wasser zu lokalen Problemen und Ungerechtigkeiten führen kann und in konkreten Fällen auch führt. Die Folgen der usbekischen Baumwollwirtschaft sind aber nicht dem Kapitalismus, sondern der unverantwortlichen sowjetischen Planwirtschaft anzulasten. Ebenso kann nicht jede lokale Dummheit oder Korruption dem Kapitalismus als System zugeschrieben werden. (In welchem Wirtschaftsystem die beiden minimiert werden, weiss ich nicht.) Es würde mich interessieren, wie viel des täglichen Wasserfußabdrucks von 4100 l in Österreich tatsächlich "Wasserraub" zugeschrieben werden kann. Schaffleischimport aus Neuseeland oder Bananen aus Mittelamerika können kritisiert werden, wohl aber kaum wegen "Wasserraub".

 

Eine allgemeine Identifikation von kapitalistischem Wirtschaften mit Raub hat einige ideologische Voraussetzungen, denen nicht jedermann zustimmen muss. Dies insbesondere dann, wenn die meisten angebotenen Alternativen wenig Glaubwürdigkeit in Anspruch nehmen können oder einfach nicht finden. Glaubwürdigkeit ist natürlich ein politisches Gut und kein wissenschaftliches. Sich darüber klar zu sein oder zu werden, ist ein wichtiger Teil politischer Kommunikation.

Peter Schmid

  

Lieber Herr Schmid,

haben Sie besten Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme. Ich gebe Ihnen Recht: das Wasserproblem ist komplex, hat mehrere Ursachen und erfordert auch mehrgliedrige Antworten. Hinsichtlich Meerwasserentsalzung ist mein Wissensstand, dass sie sehr teuer ist. Zur Systemfrage: Ich kritisiere manches am Kapitalismus, hier jedoch ging es nicht um den Kapitalismus, sondern um eine Machtfrage, die sich in Kaufkraft ausdrückt und auch - nicht nur - über den Zugang zu Wasser entscheidet. Und die Ressourcenvergeudung war, wie Sie zu Recht schreiben, im Kommunismus ebenso hoch, freilich das Konsumniveau bedeutend niedriger.

Hans Holzinger

  

Noch zwei kleine Kommentare zu Ihrer Antwort:

1) Ihre Unterscheidung von Kapitalismus und (politischer) Macht ist wesentlich. Natürlich steht Kapitalismus oft im Dienste der Macht, manchmal aber auch die politische Macht im Dienste des Kapitalismus. Für die Lösung gesellschaftlicher Probleme ist es wohl entscheidend, im gegebenen Fall die Abhängigkeiten festzustellen und die Lösungsansätze dementsprechend anzupassen. Könnten Sie dies im Falle der Wasserversorgung ausarbeiten?
2) Meerwasserentsalzung ist (derzeit noch) teuer. Die von Ihnen angeführten Rüstungsausgaben würden aber selbst diese Kosten decken...... Für große Teile der Bevölkerung sind heute Mobiltelefone billiger als das Festnetz! (Vertrauen auf den Fortschritt der Technik ist nicht immer naiv.)

Beste Grüsse,       

Peter Schmid

 

Ihre Meinung

 

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