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JBZ-Zukunftskommentar |
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Die Menschheit wird unter dem
Druck von Globalisierung, technischer Entwicklung, planetarischen Überlebensproblemen
und nicht zuletzt der atemberaubenden Geschwindigkeit und Brutalität von
Kapitalanlagestrategien zu einer Schicksals-, Haftungs- Untergangs- und
(vielleicht auch) Erfolgsgemeinschaft zusammengeschmolzen.
Interdependenzen, Vernetzungen, Wechselwirkungen, Schadenspotenziale,
externe Effekte und Kollateralschäden wachsen exponenziell. Die bisherigen
Vorstellungen von Eigentum, Vertragsfreiheit, Unternehmenszielen, staatlicher
Souveränität, aber auch von individuellen Freiheiten und Gewohnheiten müssen
deswegen grundlegend revidiert werden. Erforderlich ist ein Quantensprung in
Richtung auf eine Intensivierung von Gesamtverantwortung, eine massive
Erhöhung kollektiver Intelligenz. Kann das gelingen? Nein, sicher nicht, solange
das etablierte politisch-ökonomische System eines unregulierten Kapitalismus
Folgendes bewirkt: Eine Demontage staatlicher Handlungsfähigkeit, eine
Weltgesellschaft ohne politische Steuerung, eine Unterwerfung aller
wesentlichen schicksalhaften Trends unter das von allen Verantwortungen entkoppelte
Wirken von Profitkalkülen. Nicht, solange das längst entzauberte
Hypothesenbündel der Marktlogik unangefochten den Status einer
fundamentalistischen Religion behauptet, solange ein exzessiv
vorangetriebener Frontalangriff des Privaten gegen das Öffentliche eine
permanente Missachtung gesellschaftlicher Zusammenhänge, Folgen und
Kooperationschancen bewirkt, solange gemeinsame Handlungs- und Wirkungsfelder
messerscharf in individualisierte Interessenparzellen zerschnitten werden. In
einem solchen System wird Solidarität zur Selbstverleugnung. Das
funktioniert nicht. High-Performance-Druck,
Employability-Philosophie und Ranking-Wahn haben zudem nichts daran geändert,
dass die Leistungsfähigkeit des Systems erbärmlich bleibt. Bei permanent
steigender Produktivität sinkt die Lebensqualität. Trotz mehr Leistung sinken
die Entgelte. Trotz hochgerüsteter Sicherheitssysteme wird die Zukunft
riskanter. Trotz absurd vielfältiger Warenangebote wird das Leben leerer. Auf diese Weise wird der
Humus, auf dem Zukunftsverantwortung gedeihen kann, von den Baggern des
Finanzkapitals, der Ratingagenturen, der Fondsmanager und der ihre „Standorte“
zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt werfenden Staatenwelt flächendeckend
abgetragen. Einerseits bietet die globale (und europäische) Politiklücke den
Restbeständen an Solidarität keine Realisierungschancen. Andererseits
frustriert das System permanent berechtigte Erwartungen der Bürger und
schlittert einer Loyalitätskrise entgegen. Was können wir demnach
erwarten? 1. Wut, Revolten und Aggressivität. 2. Kooperationsverweigerung und
damit eine massive Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts. 3. Eine
Kapitulation der Mehrheit vor der der bio- und psychopolitischen - freilich
durch subversive Faszination verdeckte - Gewalt der Erlebnismärkte. Wut, Kooperationsverweigerung
und Flucht in marktkonform vorgefertigte Lebenssurrogate schreiben kein neues
Kapitel der Menschheitsgeschichte, sondern eher das letzte, für das die
Überschrift, „Der Mensch schafft sich ab“ nicht ganz ungeeignet erscheint.
Denn leider wurde auch eine politische Strategie „intelligenter
Gesamtverantwortung“ in eine tödliche Falle manövriert. Angesichts der
bestehenden strukturellen Reformunfähigkeit wäre das gesamte
politisch-ökonomische Regulierungssystem grundlegend zu ändern. Also eine
Neuerfindung des Politischen, getragen von einer Neudefinition, was
gelungenes Leben bedeutet. Univ. Prof. Klaus Firlei lehrt Arbets- und
Sozialrecht an der Universität Salzburg. er ist Präsident des Kuratoriums der
Robert-Jungk-Stiftung. klaus.firlei@salzburg@sbg.ac.at
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