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Lebendige Demokratie

Die Alternativnobelpreisträgerin Francis Moore Lappé stellt ihr neues Buch „Packen wir´s an. Klarheit, Kreativität und Mut in einer verrückt gewordenen Welt“ vor.

20. Mai 2009 | Beginn: 19 Uhr | Eintritt: 4 Euro
Robert-Jungk-Platz 1 | 5020 Salzburg | Haus Corso

Veranstalter: JBZ in Kooperation mit dem Kamphausen-Verlag.
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

 

Warum kreieren wir als Gesellschaften eine Welt, die wir als Individuen verabscheuen? Warum können wir nicht aufhören, über die zahlreichen Missstände in der Welt zu klagen, obwohl wir doch wissen, dass all das nicht nötig wäre? Diese Fragen stellt Frances M. Lappé in ihrem neuen Buch Packen wir’s an.

Lappé weiß, dass es keinen Grund gibt daran zu zweifeln, dass wir etwas verändern können. Ihr Buch erzählt von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, die aus dem Kreislauf der Hoffungslosigkeit ausgebrochen sind und mit neuen Ideen, genialen Innovationen und Mut sich aufgemacht haben, eine neue, bessere Welt zu schaffen. Packen wir’s an ist ein kleines Buch mit einer großen Botschaft: Fangen wir an!

Frances M. Lappé, (*1944) ist Mitbegründerin einer Reihe Organisationen, die sich sozialen und ökologischen Fragen widmen. Sie ist Autorin von zwölf Büchern, wie dem Bestseller "Diet for a Small Planet". 1987 wurde ihr der alternative Friedensnobelpreis verliehen.
www.smallplanetinstitute.org

 

Mehr zum Buch

 

Moore Lappè, Frances : Packen wir’s an! Klarheit, Kreativität und Mut in einer verrückt gewordenen Welt. Bielefeld: J. Kamphausen, 2009. 282 S., 18,- [A],  ISBN 978-3-89901-178-4

Frances Moore Lappé hat gemeinsam mit der Tochter Anna im Jahr 2001 das „Small Planet Institute“ (www.smallplanetinstitute.org) ins Leben gerufen hat, um den Nachweis zu erbringen und die Einsicht zu fördern, dass Demokratie mehr bedeutet als „Wahlen und unternehmerischer Kapitalismus“. Wie im Gegensatz zur von ihr kritisierten „Oberflächlichen Demokratie“ eine Gesellschaft aussehen könnte, „in der Menschen sich engagieren, um ihren Werten in öffentlichen Diskussionen Gehör zu verschaffen, hat die für ihren Einsatz um „Ernährungssouveränität“ weltweit bekannt gewordene und 1987 mit einem Alternativen Nobelpreis gewürdigte Aktivistin in diesem soeben auf Deutsch erschienenen Buch eindrucksvoll dargelegt.

Wir müssten, so Francis Morore Lappé, „die Spirale der Machtlosigkeit durchbrechen“ und stattdessen das „Prinzip der (Selbst)Ermächtigung“ zur Grundlage „Lebendiger Demokratie“ machen. Kooperation, Fairness und die Bereitschaft, selbst „Macher“ (nicht „Jammerer“ oder bloß „Zuseher“) zu sein, würden uns befähigen, „die Knappheit, die wir selbst schaffen, und die wir fürchten, zu überwinden“ (S. 71). Demut und Hoffnung seien die besten Voraussetzungen für tiefgreifenden Wandel, denn „wenn wir erkennen, dass es in dieser einzigartigen Zeit unmöglich ist zu sagen, was möglich ist, dann entdecken wir, dass wir frei sind“ (S. 49). „Praktisch bedeutet Lebendige Demokratie, dass die Macht der Stimmen und die Werte der Bürger unser öffentliches Leben durchdringen und die Macht des Geldes aus den politischen Entscheidungen verdrängen.“ Die „Ökologie der Demokratie“, so die Autorin, sei von fünf Qualitäten bestimmt: sie ist 1.) dynamisch und niemals fertig, 2.) von Werten und nicht von Dogmen gelenkt, 3.) zu erlernen, nicht automatisch gegeben, 4.) Macht kreierend, nicht kontrollierend, sowie 5.) umfassend, nicht isoliert. Wie Lebendige Demokratie „sich anfühlt“, das beschreibt die Autorin an zahlreichen Beispielen, etwa der Initiative von Martha McCoy und der Arbeit des von ihr geleiteten „Zentrums für Alltägliche Demokratie“ in Kansas City, an dem heute 1.300 Freiwillige an der Lösung kommunaler Herausforderungen mitwirken. Sie berichtet von BürgerInnen, die ihre Regierungen, aber auch die Wirtschaft zur Umsetzung verpflichtender Standards veranlassen, von Menschen, „die das Gefühl entwickeln, träumen zu können“ und so erhebliche Mittel für gemeinnützige Projekte lukrieren, von der Kraft „lokaler, lebendiger Ökonomien“ (vgl. auch in dieser Ausgabe S. 4ff.) oder von Schulen und Universitäten, an denen Lebendige Demokratie gelehrt und auch praktiziert wird. Begleitet und unterstützt von nicht weniger als vier Revolutionen (der Kommunikation, der Vernetzung, der menschlichen Würde und der Ökologie) sei die Zeit für machtvolle Veränderung als vor allem auch kulturelle Aufgabe gekommen.

Moore Lappé spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Wahl, die wir nicht haben: Denn „die Entscheidung vor der wir stehen, ist nicht die, ob wir die Welt verändern wollen, sondern wie wir die Welt verändern wollen“. Konkretere Vorschläge und ermutigendere Beispiele, in welche Richtung wir uns zur Wiederentdeckung der Demokratie aufmachen sollten – die, unterstützt durch das Lektorat von Jürgen Streich, auch um Initiativen und Berichte aus Deutschland ergänzt wurden – sind kaum zu finden.

 

Walter Spielmann, aus: Pro Zukunft 2009/1

 

               

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