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Warum kreieren wir als Gesellschaften eine Welt, die wir als
Individuen verabscheuen? Warum können wir nicht aufhören, über die
zahlreichen Missstände in der Welt zu klagen, obwohl wir doch wissen, dass
all das nicht nötig wäre? Diese Fragen stellt Frances M. Lappé
in ihrem neuen Buch Packen wir’s an. Lappé weiß, dass es keinen Grund gibt daran
zu zweifeln, dass wir etwas verändern können. Ihr Buch erzählt von Menschen
aus allen Gesellschaftsschichten, die aus dem Kreislauf der Hoffungslosigkeit
ausgebrochen sind und mit neuen Ideen, genialen Innovationen und Mut sich
aufgemacht haben, eine neue, bessere Welt zu schaffen. Packen wir’s an ist ein
kleines Buch mit einer großen Botschaft: Fangen wir an! Frances M. Lappé, (*1944) ist Mitbegründerin einer Reihe Organisationen, die sich
sozialen und ökologischen Fragen widmen. Sie ist Autorin von zwölf Büchern,
wie dem Bestseller "Diet for
a Small Planet". 1987 wurde ihr der alternative Friedensnobelpreis
verliehen. Mehr zum Buch
Wir müssten, so Francis Morore
Lappé, „die Spirale der Machtlosigkeit
durchbrechen“ und stattdessen das „Prinzip der (Selbst)Ermächtigung“ zur
Grundlage „Lebendiger Demokratie“ machen. Kooperation, Fairness und die
Bereitschaft, selbst „Macher“ (nicht „Jammerer“ oder bloß „Zuseher“) zu sein,
würden uns befähigen, „die Knappheit, die wir selbst schaffen, und die wir
fürchten, zu überwinden“ (S. 71). Demut und Hoffnung seien die besten
Voraussetzungen für tiefgreifenden Wandel, denn „wenn wir erkennen, dass es
in dieser einzigartigen Zeit unmöglich ist zu sagen, was möglich ist, dann
entdecken wir, dass wir frei sind“ (S. 49). „Praktisch bedeutet Lebendige
Demokratie, dass die Macht der Stimmen und die Werte der Bürger unser
öffentliches Leben durchdringen und die Macht des Geldes aus den politischen
Entscheidungen verdrängen.“ Die „Ökologie der Demokratie“, so die Autorin,
sei von fünf Qualitäten bestimmt: sie ist 1.) dynamisch und niemals fertig,
2.) von Werten und nicht von Dogmen gelenkt, 3.) zu erlernen, nicht
automatisch gegeben, 4.) Macht kreierend, nicht kontrollierend, sowie 5.)
umfassend, nicht isoliert. Wie Lebendige Demokratie „sich anfühlt“, das
beschreibt die Autorin an zahlreichen Beispielen, etwa der Initiative von
Martha McCoy und der Arbeit des von ihr geleiteten „Zentrums für Alltägliche
Demokratie“ in Kansas City, an dem heute 1.300 Freiwillige an der Lösung
kommunaler Herausforderungen mitwirken. Sie berichtet von BürgerInnen, die
ihre Regierungen, aber auch die Wirtschaft zur Umsetzung verpflichtender
Standards veranlassen, von Menschen, „die das Gefühl entwickeln, träumen zu
können“ und so erhebliche Mittel für gemeinnützige Projekte lukrieren, von der Kraft „lokaler, lebendiger Ökonomien“
(vgl. auch in dieser Ausgabe S. 4ff.) oder von Schulen und Universitäten, an
denen Lebendige Demokratie gelehrt und auch praktiziert wird. Begleitet und
unterstützt von nicht weniger als vier Revolutionen (der Kommunikation, der
Vernetzung, der menschlichen Würde und der Ökologie) sei die Zeit für
machtvolle Veränderung als vor allem auch kulturelle Aufgabe gekommen. Moore Lappé spricht in diesem
Zusammenhang auch von einer Wahl, die wir nicht haben: Denn „die Entscheidung
vor der wir stehen, ist nicht die, ob wir die Welt verändern wollen, sondern
wie wir die Welt verändern wollen“. Konkretere Vorschläge und ermutigendere
Beispiele, in welche Richtung wir uns zur Wiederentdeckung der Demokratie
aufmachen sollten – die, unterstützt durch das Lektorat von Jürgen Streich,
auch um Initiativen und Berichte aus Deutschland ergänzt wurden – sind kaum
zu finden. Walter
Spielmann, aus: Pro Zukunft 2009/1 |
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