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 Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen  | 4. April 2011

 

 


Fotos: JBZ

 

 


„Jean Ziegler und die Salzburger Festspiele“

·         „Willkommen in Salzburg“ - Offener Brief von Walter Spielmann, Leiter der Robert Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen

·         „Jean Ziegler und das schlechte Gewissen“, Kommentar von Hans Holzinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter der JBZ

·         Verleihung des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 2008 an Jean Ziegler

·         Ausgewählte Pressereaktionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Offener Brief an Jean Ziegler: Willkommen in Salzburg!

Hochverehrter Jean Ziegler, lieber Freund!

Ich kann Ihnen kaum sagen, wie sehr es mich - und viele Menschen, mit denen ich spreche und von denen ich lese - bewegt, dass Ihnen die große Bühne des Festspielhauses in Salzburg in diesem Sommer vorenthalten wurde. Von dort aus hätte Ihre Botschaft, die heute wichtiger denn je ist, die Welt vernommen und - in historischen Zeiten - viel bewegt. 

Seien Sie versichert, dass wir Sie im Geiste Robert Jungks, in dessen Nachfolge Sie auf Vorschlag unseres Kuratoriums und nach Beschluss der Salzburger Landesregierung im Jahr 2008 mit dem "Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung" ausgezeichnet wurden, bei uns willkommen sind.  

Erreicht Ihre Botschaft (noch) nicht die Ohren der Mächtigen, so findet sie doch den Weg zu Herzen der Vielen, die - wie Sie - davon überzeugt sind, dass wir uns heute im globalen Schatten von Fukushima mehr denn je für eine solidarische, menschenwürdige Welt einsetzen müssen, in der das Recht auf ein Leben in Selbstbestimmung und auf ausreichende und gesunde Nahrung für Alle selbstverständlich sein muss! 

Als "Leuchtturm für die Globalisierung der Zivilcourage"  (Zitat Landeshauptfrau Gabi Burgstaller aus Anlass der Verleihung des Zukunftspreises 2008) sind uns Ihre Worte und Taten Inspiration und Wegweiser dafür, dass wir die nachhaltig bessere Welt  bauen können. Gemeinsam schaffen die Wende! 

Wir heißen Sie schon heute in Salzburg herzlich willkommen.

Dr. Walter Spielmann, Leiter der Robert-Jungk-Stiftung
Bibliothek für Zukunftsfragen




Wir wollen die Inhalte, die Jean Ziegler in seiner geplanten Festspielrede angestoßen hätte, gemeinsam mit ihm zum Thema einer vertiefenden intellektuellen Auseinandersetzung machen.

 

 

 

 

„Ein Wirtschafts-system, das laut World Wealth Report 2010 zehn Millionen Dollar-millionäre zulässt, während eine Milliarde Menschen an Hunger leidet, erfordert ein hohes Maß an Verdrän-gungsleistung – gerade vieler Festspielgäste und mehr noch jener Konzerne, die sie sponsern.“

 

Jean Ziegler und das schlechte Gewissen

Der Rückzieher des Landes Salzburg, Jean Ziegler als Redner für die Salzburger Festspiele 2011 einzuladen, hat hohe Wellen geschlagen. Wir sind froh, dass in diesem Zusammenhang in zahlreichen Medien das Engagement Zieglers für die Überwindung von Hunger und globalen Unrechtsstrukturen gewürdigt und dabei auch klargestellt wurde, dass sich Ziegler längst von el Gadafi distanziert hat (z. B. Süddeutsche Zeitung 5. 3. 2011). Anders als etwa Ölfirmen, die bis zuletzt gute Ölgeschäfte mit dem lybischen Regime gemacht haben.

Es war ein mutiger Schritt, dass die Salzburger Landesregierung auf Vorschlag der Robert-Jungk-Stiftung dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung 2008 den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung verliehen hat. Es war ein noch mutigerer Schritt der Landeshauptfrau, ihn bei den Salzburger Festspielen zu Wort kommen lassen zu wollen. Ein Schritt, den keiner ihrer Vorgänger je gewagt hätte. Sie ist nun – so ist zu befürchten - an den Widersprüchen des Systems gescheitert. Der Grund für die erneute Ausladung liegt wohl tiefer als die kolportierten Befürchtungen.

Ein Wirtschaftssystem, das laut World Wealth Report 2010 zehn Millionen Dollarmillionäre zulässt, während eine Milliarde Menschen an Hunger leidet, erfordert ein hohes Maß an Verdrängungsleistung – gerade vieler Festspielgäste und mehr noch jener Konzerne, die sie sponsern. Jean Ziegler hätte – einmal mehr – an dieses zu Recht schlechte Gewissen erinnert. Das ist unangenehm.

Doch um es mit der großen Österreicherin Ingeborg Bachmann zu sagen: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“. Nur so hat die Humanität eine Chance. So ist der Vorfall ein Lehrbeispiel oder Spiegel für unsere kollektive Schizophrenie, die das Leid in der Welt permanent abspalten muss. Jene Menschen, für die Ziegler sich einsetzt, haben freilich ohnedies andere Sorgen als Salzburgs erneuten Festspieleklat.

Mag. Hans Holzinger, wissenschaftl. Mitarbeiter der Robert-Jungk-Stiftung Salzburg, 5020 Salzburg, jungk-bibliothek@salzburg.at

 


Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung

Am 20. November 2008 erhielt Jean Ziegler den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung Ein Bericht über Zieglers Rede vor über 500 Gästen in der bis zum letzten Platz gefüllten Salzburger Residenz anlässlich der Verleihung ist nachzulesen auf unserer Homepage www.jungk-bibliothek.at/ziegler.htm. Nachzuhören ist der Vortrag auch auf CD, die gegen eine Spende in der Jungk-Stiftung erhältlich ist. Bestellung.

 

 

Pressereaktionen

„Gadafi ist völlig verrückt“ - Interview mit Jean Ziegler in der Süddeutschen Zeitung vom 5. 3. 2011

„Salzburg lädt Festspielredner aus“ – Interview im ORF-Mittagsjournal von Eva Halus mit Jean Ziegler vom 31. 3. 2011

„Salzburger Festspiele ohne Eröffnungsredner“ - Interview mit Jean Ziegler in Der Standard vom 1. 4. 2011

„Ich bin  zutiefst erstaunt“ – Interview von Hedwig Kainberger in Salzburger Nachrichten 4. 4. 2011.

 

 

Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen | Robert-Jungk-Platz 1 | 5020  Salzburg  |  T 0043.662.873 206 | E: jungk-bibliothek@salzburg.at 
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www.jungk-bibliothek.at  Team: Dr. Alfred Auer, Mag. Hans Holzinger (JBZ-Öffentllichkeitsarbeit), Dr. Walter Spielmann, Mag. MAS Stefan Wally