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Maxeiner, Dirk; Miersch, Michael: Die Zukunft und ihre Feinde. 
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen.
Frankfurt/M.: Eichborn, 2002. 228 S.,  € 19,90
ISBN 3-8218-3912-0

 


"Angstmacherei und Bevormundungsversuche durch gewählte oder selbsternannte Eliten“ seien verantwortlich dafür, dass die Entfaltung des Einzelnen gehemmt, ja die Gesellschaft als ganze gelähmt werde. Durch jede Menge hysterische Annahmen und falsche Prognosen werde der technisch wissenschaftliche Fortschritt behindert, der Globalisierung von rechter wie linker Seite Widerstand entgegengesetzt, der Sittenverfall beklagt und das doch so sympathische Treiben der Spaßgesellschaft verächtlich gemacht. Maxeiner / Miersch, die mit einem „Lexikon der Öko-Irrtümer“ (1998) und dem „Mephisto-Prinzip“ (2001) bereits von sich reden machten, wollen diesem ach so verwerflichen Treiben von „Gutmenschen“, die sie in NGOs und Kirchen, quer durch alle Parteien, aber auch in den Führungsetagen des internationalen Finanzmanagements ausmachen, nicht tatenlos zusehen. Gegen „Gleichmacherei und Gedankenlosigkeit“ setzen sie mit viel Elan, rigorosen (Fehl)Urteilen und mutmaßlich geschäftsfördernden, doch vielfach platten Pointen auf die „evolutionäre Karriere des Chancentieres Mensch“. Als dessen Eldorado wird die „Demokratie des Marktes“ (S. 18) gepriesen.
Um der Spontaneität des Fortschritts Tür und Tor zu öffnen, fordern die Autoren, vom „freiheitsfeindlichen Konzept der Vorsorge“ etwa in Form der Technikfolgenabschätzung oder (Ethik)Kommissionen aller Art Abstand zu nehmen. Ideologien – mit Ausnahme freilich der hier gepredigten – werden samt und sonders verdammt. Mit beißenden Spott und hohler Polemik wird gegen so gut wie alles und jeden zu Felde gezogen:  „Mit der Nachhaltigkeit“, so tönen die Verfasser, sei es „wie mit dem lieben Gott:

Keiner weiß so genau, was er sich darunter vorzustellen hat, aber alle sind sich einig, dass man nicht darauf verzichten kann“ (S. 57). Immerhin geben sie preis, dass es sich ihres Erachtens dabei um eine „planwirtschaftliche Strategie gegen das Wachstum und den freien Markt“ (S. 60), um nicht weniger als Teufelswerk also handelt. Dass „Globalisierungsgegner“ als Feinde der offenen Gesellschaft desavouiert (S. 73) werden, ist dabei weniger verwunderlich als die Kritik am „World Economic Forum“, welches sich „zu einem regelrechten Schaulaufen für hofierte Störenfriede“ (wie J. Rifkin oder V. Forrester) entwickelt habe (S. 110). Auch vor persönlicher Verunglimpfung schrecken die beiden nicht zurück, etwa wenn sie Wolfram Siebeck einen „Fresspapst“ heißen. Damit die 6-Milliarden-Menschheit – ein „Nachweis des grandiosen Einfallsreichtums der Evolution“ (S. 10) – umweltverträglich Nahrungsmittel produzieren könne, bedürfe es, wie sie meinen, vor allem eines „technologischen Quantensprungs“. Innovative, ressourcenschonende Konzepte sind damit freilich nicht gemeint. Denn der „hinter der Monstranz der guten Tat“ einher kommende „Öko-Imperialismus“ – zu ihren Vertretern zählen die Verfasser auch die „Zukunftsfeindin“ Vandana Shiva – beschleunige nur Elend und Verarmung (S. 142f.). Und so verwundert auch der Vorschlag nicht, dem von einem „Apparat von Klimabürokraten und Wissenschaftsfunktionären (…) zur absoluten moralischen Leitgröße“ erhobenen weltweiten CO2-Ausstoß am besten durch den Ausbau der Atomenergie zu begegnen.
Kein Wort verlieren die selbsternannten „Zukunftsoptimisten“ freilich darüber, dass die Regeln des „freien Marktes“ keineswegs demokratisch sind, sondern vielfach zu Chancenminimierung und Entsolidarisierung auch in unseren Wohlstandsgesellschaften beitragen. Selten zuvor habe ich neoliberale Wachstumsideologie so krass und dreist als Garant des Fortschritts vermittelt gefunden.
W. Sp.
Gesellschaftskritik: Neoliberalismus