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Bürgergesellschaft konkret
Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe umfasst neben Buchrezensionen Hinweise auf
"Handbücher für die Praxis" sowie Zeitschriften und Links zum Thema Zivilgesellschaft

Praxis Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhanduch. Hrsg. v. Astrid Ley ... im Auftr. v. Stiftung Mitarbeit ... Bonn, 2003. 310 S. , € 10
ISBN 3-928053-84-1
 
Lokale Demokratie, verstanden als Einbindung von BürgerInnen in diese unmittelbar betreffende Probleme oder Anliegen, ist weit mehr als eine politikwissenschaftliche (Heraus-)Forderung. Sie ist zunehmend auch bewährte Praxis lokalpolitischen Engagements. Daher ist es nicht überraschend, dass je nach Fragestellung und Komplexität des Themas inzwischen vielfach bewährte, aber auch neue Methoden der Bürgerbeteiligung zur Verfügung stehen. Manche haben freilich ihre Bewährungsprobe noch vor sich.
Die Zusammenschau der 30 an dieser Stelle in vorbildlicher Form präsentierten Methoden macht vor allem eines klar: Verfahren der Bürgerbeteiligung sind nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung herkömmlicher Ansätze der demokratischen Meinungs- und Willensbildung zu sehen. Sie erhöhen einerseits, wie Ottfried Renn ausführt, die Legitimation politischer Entscheidungen und sind anderseits in der Regel nur dann erfolgreich, wenn die Einbettung in übergeordnete Entscheidungssysteme gelingt.
Adrian Reinert, Geschäftsführer der „Stiftung Mitarbeit“, benennt im einleitenden Beitrag Herausforderungen der lokalen Demokratie (etwa erhöhte Partizipationsansprüche, Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen, erschwerte Solidarität und überregionale Orientierung), skizziert Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engagements (themenspezifisch, temporär, kleine Gruppen) und erörtert Voraussetzungen der Förderung von Engagement (differenzierte Angebotsformen, Prinzip Mitverantwortlichkeit). Aber auch Mängel von Bürgerbeteiligungsprozessen werden benannt: Dazu zählen etwa die Dominanz organisierter Interessen, Zeitmangel als Teilnehmerbarriere oder die verspätete, nachholende Abfrage von Bürgerinteressen.
Schwer- und Mittelpunkt des Bandes ist die praxisnahe Darstellung von Methoden der Mitbestimmung im Kontext kommunaler und regionaler Entscheidungsprozesse. Dabei darf vorausgesetzt werden, dass Methoden wie „Open Space“, „Runde Tische“ oder „Zukunftskonferenzen“, die heute zum Standardrepertoire der Beteilungsverfahren zählen, bereits bekannt sind. Ansätze wie „Bürgerpanel“, „Kompetenzwerkstatt“, „Disney-Methode“ oder „Planspiel“ aber dürften neugierig machen, zeigen sie doch, wie differenziert die Methodenpalette bereits ist. Von „A“ wie „Appretiative Inquiry“ („Wertschätzende Befragung“) bis „Z“ wie „Zukunftswerksatt“ wird diese Vielfalt in Theorie und Praxis eindrucksvoll vermittelt. Im Hinblick auf Nachvollziebarkeit und Praxislassen die Darstellungen kaum Wünsche offen, denn durchwegs präsentieren ausgewiesene ExpertInnen „ihre“ Methode. Neben einer jeweils prägnanten Präsentation der Verfahren - manchmal hätte man sich diese freilich etwas ausführlicher gewünscht - gibt es jeweils zwei Praxisbeispiele sowie Anmerkungen zu Stärken und Defiziten des jeweiligen Ansatzes und meist auch weiterführende Literatur- und Linkverweise.
Abgerundet wird der Band durch zwei Beiträge zur Qualitätssicherung von Verfahren der direkten Demokratie. Zum einen werden Gestaltungskriterien und Leistungsanforderungen für diskursive Verfahren werden erörtert, und zum anderen „10 Eckpfeiler“ für erfolgreiches Projektmanagement vorgestellt. Wer immer sich über Methoden der Bürgerbeteiligung ein aktuelles Bild machen möchte, kommt an diesem Handbuch nicht vorbei. Im deutschen Sprachraum ist es derze
it „state of the art“. Walter Spielmann

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