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Kapitalismus in der Kritik
Besondere Aufmerksamkeit verdienen im Schwerpunktkapitel die Analyse des "neuen Kapitalismus" durch Richard Sennett und die Radikalkritik Elmar Altvaters sowie die von Herbert Rauch und Alfred Strigl vorgeschlagenen Manöver zur "Wende der Titanic".

127 Sennett, Richard: Die Kultur des neuen Kapitalismus.
Berlin: Berlin-Verl., 2005, 160 S., € 18,-,
ISBN 3-8270-0600-7
Der „neue Kapitalismus“ bedeutet weit mehr als nur die Globalisierung der Märkte, die Beschleunigungvon Information, Produktionszyklen oderTransportwegen. Die Dynamisierung der Ökonomie,so Richard Sennett, hat vielmehr die grundlegendeVeränderung von Institutionen und, damit einhergehend, die Verunsicherung der Menschen sowie das Versagen der Politik zur Folge. Im einleitenden Kapitel widmet sich der an derLondon School of Economics lehrende Soziologeden Grundzügen der Bürokratie und den Prinzipien des sozialen Kapitalismus. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts waren beide nach militärischen Prinzipien organisiert, boten dem Individuum zwar vergleichsweise wenig Freiheit, aber doch einen verlässlichen „Rahmen für die mit anderen Menschen verbrachte Lebenszeit“. Die sinnstiftenden Strukturen ökonomischer und staatlicher Ordnung gerieten, so Sennett, im Verlauf des 20.
Jahrhunderts von drei Seiten unter Druck: Der Machtwechsel von Managern zu Anteilseignern, deren Wunsch nach Profitmaximierung in kürzester Zeit sowie der Einsatz neuer Fertigungs- und Kommunikationstechnologien führen zum „Verdorren des Sozialen“. Die Flexibilisierung der Belegschaften – in den USA und Großbritannien entfallen bereits acht Prozent aller Arbeitsverhältnisse auf Zeitarbeit –, die Abflachung der Hierarchien und nichtlineare Abläufe in Unternehmen erhöhen den Leistungsdruck, führen zu Stress und innerbetrieblicher Ungleichheit. Sennett, der seine Analyse mit einer Fülle von Beispielen aus langjähriger Beraterpraxis stützt, verweist schließlich auf drei mit dieser Entwicklung einhergehende soziale Defizite, die Arbeitsverhältnisse heute in der Regel prägen: die Abnahme der Loyalität gegenüber dem Unternehmen, die Schwächung des informellen Vertrauens der Beschäftigten und die Verringerung des spezifischen Wissens der Institutionen.
Das weltweite Angebot billiger Arbeitskräfte, die Automatisierung sowie der Umgang mit dem Alter, so Sennett im zweiten Abschnitt, lassen in den alten Industriestaaten zunehmend das „Gespenst der Nutzlosigkeit“ umgehen. Denn die Erfolgsgaranten des sozialen Kapitalismus – Talent, Meritokratie und „handwerkliche Einstellung“ („Etwas um seiner selbst willen gut machen“) – verlieren an Bedeutung. Da von Seiten des Staates die Eigeninitiative – als Chance auf Freiheit gepriesen – propagiert, und zugleich immer weniger für die wachsende Zahl der Bedürftigen geleistet werde, stelle sich die Frage, was der Einzelne tun solle, wenn er „nicht mehr gebraucht werde“. ...

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