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JBZ-ONLINE |
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Pressebericht |
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen |
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„Das Gegenteil von Einfachheit
ist nicht Fülle sondern Zerfaserung“ Eröffnung der Reihe „Sustainable
Mozart“ mit über 250 BesucherInnen - Wolfgang Sachs
und Franz Fischler im Gespräch mit Peter Huemer
über die Frage „Sind verwöhnte Kulturen zur Nachhaltigkeit zu bewegen?“ Ein Bericht von Hans Holzinger (JBZ) |
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Wolfgang Sachs |
„Umweltschutz
habe viel damit zu tun, dass Menschen sich in ihren Sinnen beleidigt fühlen.
Es ist ein Protest gegen das Übermäßige, das Anti-Schöne. Ästhetik hat dabei
zugleich eine ethische Dimension.“ So der Ökologe und Theologe Wolfgang Sachs
in der Eröffnungsveranstaltung der von der Robert-Jungk-Bibliothek für
Zukunftsfragen gemeinsam mit Mozart2006Salzburg und dem Lebensministerium
ausgerichteten Diskussionsreihe „Sustainable
Mozart“. Über
200 BesucherInnen waren ins Marionetttentheater gekommen, um der Diskussion über die Frage „Sind
verwöhnte Kulturen zur Nachhaltigkeit zu bewegen?“ zu folgen. Der Mitarbeiter
des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie nannte drei Werte für
Zukunftsfähigkeit: Der erste sei „Klugheit“ als genaues Hinsehen, als Sich-den-Dingen-Stellen, als Erweiterung des Blicks auf
die systemischen Zusammenhänge. Die Kurzfristigkeit des gegenwärtigen ökologischen
Raubbaus müsse ersetzt werden durch ein ressourcenleichtes Wirtschaften,
einen Lebensstil, der „mit leichten Schritten auf den Planeten daher kommt.“ Sachs: „Wir brauchen Fairness und eine Ethik der
Ferne“ Das Zweite
sei „Fairness“, was heißt, den Schwachen nicht zu treten, „denn sonst hört er
zum Mitspielen auf“. In der komplexen Weltgesellschaft wechselseitiger
Verletzbarkeit sei, so Sachs, Kooperation zur Grundkonstante geworden,
Gerechtigkeit daher ein Imperativ für „Realisten“. Die entscheidende Frage
sei, wann Ungleichheit zu Ungerechtigkeit wird. Die Herausforderung für den
reichen Teil der Welt nach Sachs: „Platz machen für andere“ und Entwicklung
einer „Ethik der Ferne“. Als Drittes
nannte der Ökologe die „Lebenskunst“. Das Gegenteil von Einfachheit sei nicht
Fülle, sondern Zerfaserung. Nicht Mangel, sondern Überfluss sei unser
Hauptproblem. Dieser erfordere die Kraft der Orientierung in der Vielzahl der
Angebote, die Fähigkeit zum Nein-Sagen. Sowie Musik
nicht bedeute, möglichst viele Töne zu erzeugen, sondern ein bestimmtes Set
an Tönen in wohl gestalteter Form zum
Klingen zu bringen, bestehe Lebenskunst im „Finden des richtigen Maßes“. |
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Franz Fischler |
Fischler: „Mehr Wohlstand durch weniger Konsum“ Franz
Fischler, langjähriger EU-Kommissar und nun Präsident des Ökosozialen Forums
Europa, bestärkte, dass „unser bisheriges Verständnis von Wohlstand zu kurz
gegriffen“ sei. „Mehr Wohlstand durch weniger Konsum“ schaffe Platz für
Sinnliches, für Zwischenmenschliches. Die Menge vorhandener Arbeit auf alle
zu verteilen, überwinde den Zeitstress der einen und die Existenzsorge der
anderen. Die kulturelle Dimension könne so vielleicht zum „Schlüssel für
Nachhaltigkeit“ werden. Fischler
konstatierte einen „enormen Mangel an Gleichgewicht“ in der gegenwärtigen
Welt: Armut, Hunger, fehlende Schulen und medizinische Versorgung in den
Entwicklungsländern, Entfernung vom ökologischen Gleichgewicht in den
Industrieländern bei gleichzeitiger Zunahme von Arbeitslosigkeit und sozialen
Problemen. Einzelne Gesellschaften könnten in der vernetzten Welt nicht mehr
nachhaltig sein. Es brauche daher eine globale Partnerschaft, einen Weltvertrag.
Als ein Beispiel dafür nannte Fischler die Global Marshall Plan-Initiative,
die zur Erreichung der UN-Millenniumsziele der Überwindung der Armut neue
Finanzierungsinstrumente für Entwicklungszusammenarbeit vorschlägt, etwa die
Besteuerung von Devisentransfers, was auch das internationale Kapitalsystem
transparenter machen würde. Als zentrale
Herausforderung bezeichnete der ehemalige EU-Kommissar, das „Wegschauen“ vor
den Problemen zu überwinden, die Verdrängung zu beenden. Die Frage ob wir als
Menschheit lernfähig sind zur Umsteuerung, entscheide über den Weg der Welt
im 21. Jahrhundert. Wie stark das Interesse an neuer Orientierung ist,
bezeugte der große Publikumsandrang bei der Veranstaltung. |
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Tipp |
Die nächste Veranstaltung findet am 30.
März statt. Peter Ruzicka, Olaf Schwencke und
Friedhelm Mennekes diskutieren die Frage „Die Kunst
in die Zukunft zu handeln.“ Marionettentheater, Schwarzstraße. 24, Freier
Eintritt. |
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Impressum |
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen –
Robert-Jungk-Platz 1 – 5020 Salzburg. Tel. 0049.662.873 206, Fax DW 14 jungk-bibliothek@salzburg.at |