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Einführung | Zu den Beiträgen | Stimmen aus dem Buch | Inhaltsverzeichnis | Bestellung Wie
können Kunst und Kultur zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, ohne in
ihrer Freiheit eingeengt zu werden? Ist Nachhaltigkeit auch ein ästhetisches
Prinzip - etwa als Suche nach dem richtigen Maß und dem Genug? Ist eine
Kulturgesellschaft denkbar als
Antipode zu Event- und Konsumfixierung, als
Chance für Dialog und globale Verständigung? Nicht zuletzt: Wie können
Kulturveranstaltungen selbst nachhaltig durchgeführt werden? Diesen und
weiteren Fragen widmete sich die Veranstaltungsreihe „Sustainable
Mozart“. Namhafte, international
bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft stellten
sich anlässlich des Mozart-Jahres 2006 der Diskussion. Die Ergebnisse der
Reihe sowie die daraus entstandenen „Salzburger Thesen“ zu Kunst, Kultur und
Nachhaltigkeit sind nachzulesen in dem von der Robert-Jungk-Bibliothek für
Zukunftsfragen herausgegebenen Buch gleichen Titels. Franz Fischler fordert darin
etwa die „Überwindung des Wegschauens“, das Club of Rome-Mitglied Wolfgang Sachs die Entwicklung einer
"Ethik der Ferne" sowie einer neuen „Lebenskunst der Einfachheit“.
Der frühere künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele problematisiert
den Innovationszwang in der Kunst wie in der Gesellschaft und fragt, was gewesen
wäre, wenn Mozart länger gelebt hätte. Der Begründer von „lettre
international“, Antonin J. Liehm, verweist auf die zunehmende Event-Fixierung auch des Kunstbetriebs und den Verlust
des „Substanziellen“. Weitere Vorschläge beziehen sich auf das Finden einer
neuen Dialogkultur und eines offenen Blicks auf andere Kulturen (Barbara
Frischmuth), die Entwicklung von "Symbolwelten des Genug" als
Aufgabe der Kultur (Dieter Kramer) oder die wieder zu erlernende Vorstellung
eines Leben jenseits von Vermarktungszwängen (Adolf Muschg). Der Band umfasst die
insgesamt 15 Beiträge der internationalen Experten und Expertinnen, eine
Wiedergabe der Podiumsdiskussionen sowie einen Überblick über bisherige
Dokumente und Veranstaltungen zu Kultur und Nachhaltigkeit. Ein Nachlesebuch
für alle, die an den Herausforderungen einer nachhaltigen Weltentwicklung
sowie der möglichen Rolle von Kunst und Kultur darin interessiert sind. „Sind verwöhnte Kulturen zur
Nachhaltigkeit zu bewegen?“ so lautete die Fragestellung
der ersten Veranstaltung, bei der „Club of Rome“-Mitglied
Wolfgang Sachs für die Einübung der „Kunst der Einfachheit“ warb. Klugheit,
Fairness und Lebenskunst können, so Wolfgang Sachs, dabei eine zentrale Rolle
spielen. Dass Kunst ein bislang außer Acht gelassener, vielleicht aber der zentrale Schlüssel zu nachhaltiger
Entwicklung sein könnte, stellte „Die Kunst in die Zukunft zu
handeln – Nachhaltigkeit als ästhetisches Prinzip“ war
Motto des zweiten Abends. Aus Sicht des Kulturwissenschaftlers vertrat dabei
Olaf Schwencke die These, dass postmoderne, fragmentierte
Gesellschaften ohne Kunst keine Urteilsfähigkeit über ihre Geschicke erlangen
können; Kunst sei unabdingbar, um „gemeinsam in die Zukunft zu handeln“.
„Kunst “, so der Theologe Friedhelm Mennekes, „lebt aus der Energie, sich
gegen den Zweifel gestaltend zu behaupten.“ Dass dabei freilich primär nicht
Antworten gegeben, sondern vor allem immer wieder (uralte) Fragen gestellt
würden, „auf die wir selbst antworten müssen mit unserem Denken und Handeln“,
darauf machte Peter Ruzicka in seinem „Event
oder Tiefgang? – Auf der Suche nach einer neuen Diskurskultur“ war
Thema einer weiteren Veranstaltung. Die Schriftstellerin und Orientkennerin
Barbara Frischmuth plädiert in ihrem Beitrag für einen „multikulturellen
Diskurs auf gleicher Augenhöhe“ jenseits „eventkultureller
Superlativitis“. Die exzessive Vermarktung W. A.
Mozarts sowie dessen Stilisierung zum Genie rückt hingegen der Autor und
Filmemacher Kurt Palm ins Zentrum seiner sarkastisch pointierten Ausführungen,
während Antonin J. Liehm, Begründer der „Lettre
International“, auf einen Paradigmenwechsel im (Selbst)Verständnis von
Kulturschaffenden aufmerksam macht: Heute dominiere in der Kunstproduktion
die Figur des Schauspielers, „der sich vorführt und produziert“, während
ehemals die Einstellung des Architekten oder Baumeisters dominiert habe, die
auf Dauer als „Überleben des Augenblicks“ abzielte. Die Rolle der „Kultur als
Wirtschaftsfaktor“ erörterten Heinrich Spängler und Günter Rhomberg
beispielhaft in ihren Ausführungen zur ökonomischen und sozialen
Nachhaltigkeit der Festspiele in Salzburg und Bregenz, während Andrew
Blackwell anhand internationaler Beispiele auf konkrete Möglichkeiten zur
Durchführung Ressourcen schonender Kultur- und Sportveranstaltungen verwies. „Kultur und Kunst als
Impulsgeberinnen für Zukunftsfähigkeit“ war Thema der
abschließenden Veranstaltung. Dieter Kramer, über viele Jahre Kustos des
Museums der Weltkulturen in Frankfurt/M., warb dabei für eine „Ästhetik der
Susistenz“ als Beitrag zu materieller Selbstbeschränkung und verwies dabei
auf den kulturellen Reichtum traditioneller Gesellschaften. Während Adolf
Muschg sich in Anbetracht der „Dominanz des Marktes“ erhebliche Zweifel
anmeldete, „dass mit der Langzeitwirkung großer Kunst gegen den rasanten
Abbau der materiellen und ideellen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten
etwas auszurichten sei, , schloss Jürgen Maaß,
Herausgeber der Zeitschrift „KulturAustausch“, den
Reigen der Beiträge mit „Fünf Dimensionen von Zukunftsfähigkeit“ –
Nachhaltigkeit, Globalisierung, Friedfertigkeit sowie Innovations- und
Kommunikationsfähigkeit – ab. Neben den Referaten,
Podiumsdiskussionen und ausgewählten Publikumsbeiträgen enthält der im
JBZ-Verlag publizierte Band eine Chronologie zur Frage nach dem Zusammenhang
von Kultur, Kunst und Nachhaltigkeit (Werner Riemer) sowie zehn „Salzburger
Thesen“. Diese fassen, formuliert von Hans Holzinger und Walter
Spielmann, die zentralen Aussagen der Reihe zusammen und führen sie weiter:
Dass heute nicht mehr von „Kultur“, sondern vielmehr von „Kulturen“ in der
Einen Welt gesprochen werden sollte, ist eine von ihnen. Eine andere: „Kunst
kann Bestehendes verdichten, hinterfragen und „Un-Gedachtes“,
„Nicht-Gesehenes“ sowie „Un-Erhörtes“ schaffen. Derart kann Kunst die
Gesellschaft mit alternativen Möglichkeiten konfrontieren, individuelles wie
kollektives Denken und Handeln (ver)ändern und so
zu einem wichtigen Faktor nachhaltiger Entwicklung werden.“ Als Chiffre macht
„Sustainable Mozart“ neugierig und lädt dazu ein, Nachhaltigkeit als ein
offenes Projekt zu sehen.
Andere über das Buch |
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Robert-Jungk-Platz 1 | 5020 Salzburg |
T 0043.662.873206 F -14 | E: jungk-bibliothek@salzburg.at |
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