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Über 500 BesucherInnen verfolgten die
Verleihung des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 2008
an Prof. Jean Ziegler am 20. November in der Salzburger Residenz.
Viele mussten wir abweisen, weil keine Plätze mehr verfügbar waren. Doch
der Vortrag von Prof. Ziegler wird als CD erhältlich sein. Zudem planen wir
eine Broschüre mit allen Beiträgen des Abends. Die Preisverleihung erfolgte
durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Die Laudatio hielt Prof.
Klaus Firlei, Präsident der Robert-Jungk-Stiftung. Für den
musikalischen Rahmen sorgte die Salzburger Jazzmusikerin Sabina Hank
u.a. mit der Uraufführung ihres Stückes „Jean´s Chanson“. Moderiert wurde
der Abend von Elfie Geiblinger, ORF Salzburg.
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Aufruf
zum Handeln
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Appell an die Salzburger
Landesregierung
Um den Forderungen Zieglers zur Abschaffung
des Hungers Nachdruck zu verleihen, haben wir einen Aufruf an die
Salzburger Landesregierung initiiert, über die Verleihung des Preises
hinaus auch politisch aktiv zu werden. Sie können den Aufruf unterstützen –
durch Klick auf die entsprechende Zeile am Ende des Aufruftextes.
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Bisherige Preisträger
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Aufruf: Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung 2008
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Sehr geehrte Landeshauptfrau!
Sehr geehrte Mitglieder der Salzburger Landesregierung!
Wir
gratulieren Ihnen und dem Land Salzburg zur Verleihung des „Salzburger
Landespreises für Zukunftsforschung 2008“ an Prof. Jean Ziegler und
ersuchen Sie, sich im Rahmen Ihrer politischen Arbeit aktiv für die vom
Preisträger als zentral herausgestellten Forderungen zur Überwindung des
Hungers einzusetzen:
Ø
Beendigung
der Strukturanpassungsprogramme der Weltbank, die allein der Schuldeneintreibung
im Interesse der Reichen dienen;
Ø
Genereller
Schuldenerlass für die ärmsten Staaten der Welt;
Ø
Verbot
der Spekulation mit Lebensmitteln an den Börsen;
Ø
Vorrang
für Nahrungsmittelproduktion gegenüber Energieproduktion und daher Moratorium
für die Erzeugung von Agrotreibstoffen;
Ø
Abbau
des Agrardumpings durch die EU.
Ich unterstütze diesen Aufruf. Bitte hier klicken
und im Mail den vollen Namen angeben.
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Preisverleihung durch Landeshauptfrau
Gabi Burgstaller
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Musikalische Umrahmung durch Sabina Hank und ihre Band
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Pressegespräch mit Prof. Ziegler und Prof. Firlei von der
Robert-Jungk-Stiftung
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Bericht
„Das tägliche Massaker des Hungers“
Jean Ziegler über die mörderische Weltordnung und
die Hoffnung auf eine planetarische Zivilgesellschaft
“Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan
wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.“
Mit diesem Zitat von Immanuel Kant begründete Jean Ziegler in seinem
Vortrag anlässlich der Verleihung des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung
am 20. November 2008 sein Engagement gegen Hunger und Ausbeutung. Beides
sei von Menschen gemacht und könne von Menschen überwunden werden, so der
langjährige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. „Alle fünf
Sekunden stirbt ein Kind unter 5 Jahren, 100.000 Menschen sterben täglich
an Unterernährung, 923 Mio. Menschen sind permanent unterernährt“, damit
erinnerte Ziegler an das „tägliche Massaker des Hungers“. Der World Food
Report der Vereinten Nationen, dem diese Zahlen entstammen, berichte
aber zugleich, dass mit den gegenwärtig verfügbaren landwirtschaftlichen
Mitteln 12 Mia. Menschen ernährt werden könnten, also fast doppelt so viel,
wie derzeit auf der Erde leben. Das heißt: „Diese Weltordnung ist
mörderisch, sie ist aber auch absurd, denn sie tötet ohne Notwendigkeit.“
Mörderische Weltordnung
Sechs Gründe nannte Ziegler in seinem Vortrag für dieses Versagen. Der
Würgegriff der Verschuldung verhindere die Modernisierung der
Landwirtschaft in den Ländern des Südens – so sind nur 4 Prozent der
Ackerfläche in Afrika bewässert – und zwinge zugleich zur für die
einheimische Bevölkerung fatalen Exportwirtschaft. Mali, ein Land
mit einer einst florierenden Landwirtschaft, müsse heute 72 Prozent der
Lebensmittel einführen, zugleich würden jährlich 380.000 Tonnen Baumwolle
exportiert, so ein augenscheinliches Beispiel. Als dritte Problematik
nannte Ziegler das Agrardumping der reichen Staaten, etwa jenes der
Europäischen Union, welches die Entwicklungsländer mit Billigstlebensmitteln
überschwemme und damit die regionalen Märkte zerstöre. Andererseits -und
viertens - gerieten immer mehr Menschen in die Abhängigkeit der internationalen
Agrarmultis, für die Nahrung nicht mehr sei als ein Geschäft mit hohen
Renditeerwartungen. Explodierende Lebensmittelpreise sind für die Ärmsten
tödlich, so Ziegler.
Spekulation mit Lebensmitteln
Sie hängen eng zusammen mit den zwei letzten im Vortrag genannten
Ursachen für Hunger, der Spekulation mit Lebensmittel an den Börsen
(Hedgefonds und andere Anleger sind aufgrund der Finanzkrise auf die
Chicagoer Lebensmittelbörse ausgewichen; der Spekulationsanteil an den
Lebensmittelpreisen soll laut einer aktuellen von Ziegler zitierten Studie
37 Prozent ausmachen) sowie der Ausweitung des Geschäfts mit Agrosprit.
138 Mio. t Mais wurden laut Weltbank 2007 zu Bioethanol verbrannt. Für 50
Liter Biodiesel sind 358 kg Mais erforderlich, davon könnte ein Kind ein
Jahr lang ernährt werden. So Zahlen des Vortragenden. Der internationale
Preis für Reis sei in einem halben Jahr um 83 Prozent, jener für Getreide
gar um 114 Prozent gestiegen. Das World Food Programme der UNO, das bei
akuten Hungerkatastrophen hilft, habe dadurch 42 Prozent an Kaufkraft
verloren, berichtete der UN-Experte. Wie scheinheilig internationale
Proklamationen zur Überwindung des Hungers, festgeschrieben etwa in den UN-Millenniumszielen,
sind, machte Ziegler schließlich mit folgendem Vergleich deutlich: „81 Mia.
Euro pro Jahr über fünf Jahre gerechnet wären nötig, um den Hunger zu
eliminieren. Wenig im Verhältnis zu den 1.700 Mia. Euro, die allein die EU
innerhalb kürzester Zeit zur Rettung der Banken zur Verfügung gestellt hat.“
Wo gibt es Hoffnung?
Ziegler endete mit fünf Forderungen an die Politik: Beendigung der
Strukturanpassungsprogramme der Weltbank, die allein der Schuldeneintreibung
im Interesse der Reichen dienen, genereller Schuldenerlass für die ärmsten
Staaten der Welt, Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln, Moratorium für
die Erzeugung von Agrotreibstoffen sowie schließlich Abbau des
Agrardumpings durch die reichen Staaten. Ganz im Sinne von Robert Jungk
setzt der Preisträger auf die planetarische Zivilgesellschaft. Es liege an
ihr, die notwendigen Veränderungen lautstark von ihren Regierungen
einzufordern, sei es bei der UNO, in der Weltbank oder in der EU. In diesem
Sinne hat die JBZ einen Aufruf an die Salzburger Landesregierung, die von
Ziegler genannten Forderungen aktiv zu unterstützen, initiiert. [Hans
Holzinger]
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Begründung
"Mit
Jean Ziegler wird eine Persönlichkeit geehrt, die sich unermüdlich für die
Schwächsten der Erde, die Hungernden, einsetzt. Der Preisträger erinnert in
seinem publizistischen Schaffen daran, dass Hunger kein Schicksal ist,
sondern gemacht wird und durch eine verantwortungsvolle Politik und ein
anderes Wirtschaften überwunden werden kann", so Landeshauptfrau Gabi Burgstaller
zur Begründung für die Zuerkennung des Landespreises auf Vorschlag des
Kuratoriums der Robert-Jungk-Stiftung. "Jean Ziegler fällt es seit
Jahrzehnten nicht ein, das zu tun, was seine vehementen Kritiker – und das
sind meist die von ihm Kritisierten – zornig verlangen: Zu schweigen."
Ziegler sei wie ein Leuchtturm, der uns verlässlich die Richtung anzeige.
"Jean
Ziegler hat in seinem Werk messerscharfe Diagnosen des globalen Kapitalismus
mit einer glühenden Parteinahme für die Entrechteten und Erniedrigten
verbunden", so Univ.-Prof. Dr. Klaus Firlei, Präsident des Kuratoriums
der Robert-Jungk-Zukunftsbibliothek, der beim Festakt heute Abend die
Laudatio halten wird. "Ziegler hat den Schleier des betretenen
Schweigens zu Hunger und dem subtilen Terror der Ökonomisierung von Politik und
Leben zerrissen. Er ist damit zu einer zentralen Figur der Hoffnung auf eine
Neugestaltung der Welt geworden. Er steht für eine Renaissance des
Politischen gegenüber einem neuen Feudalismus aus wirtschaftlicher Macht und
politischer Gefügigkeit, für eine Wissenschaft, die sich einmischt, für einen
Humanismus ohne Kompromisse und für eine engagierte Intellektualität, die
heute zu entschwinden droht. Er erinnert uns als Repräsentant eines neuen
Weltbürgertums beharrlich an die Mitverantwortung aller, die sich mit diesen
Zuständen arrangieren."
Die
ausführliche Begründung des Kuratoriums der Robert-Jungk-Stiftung finden Sie hier.
Zur Person
Jean
Ziegler war von 2000 – 2008 Sonderberichterstatter
für das Recht auf Nahrung im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Bis zu seiner Emeritierung im Mai 2002 war
Ziegler Professor für Soziologie an der Universität Genf sowie ständiger
Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. Von 1967 bis 1983 und von 1987 bis
1999 war er Genfer Abgeordneter im Nationalrat für die Sozialdemokratische
Partei der Schweiz.
Bekannt
wurde Ziegler als Kritiker der Banken seines Heimatlands („Die Schweiz wäscht
weißer“, 1990) und der Globalisierung („Die neuen Herrscher der Welt und ihre
globalen Widersacher“, 2003). Insbesondere verweist Ziegler vehement darauf,
dass Hunger kein Schicksal ist, sondern gemacht wird („Wie kommt
der Hunger in die Welt? Ein Gespräch mit meinem Sohn“, 2002). In
seinem kürzlich erschienenen Buch „Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen
Armut und Unterdrückung“ (2007) macht er insbesondere die internationalen
Konzerne für Missstände wie Hunger und Armut verantwortlich. 2009 erscheint sein neues Buch in deutscher
Übersetzung unter dem Titel „Der Hass auf den Westen“.
„Indem ich schreibe", so Jean Ziegler
in Die neuen Herrscher der Welt, „kann ich dazu beitragen, die Dogmen
der neuen Herrscher der Welt zu entkräften." In seinen Büchern, aber
auch in den zahlreichen Medienauftritten erinnert der Wissenschaftler an das
Unrecht in der Welt und appelliert an das Mitdenken aller jenseits der
Verdummungsstrategien der Entertainmentwelt. Er gilt als „Stimme der Armen und Schreck der Mächtigen“, wie ihn das
Magazin stern einmal treffend bezeichnet hat. Mehr siehe hier.
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