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JBZ-ONLINE 22. Juni 2006 |
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Pressebericht |
Robert-Jungk-Bibliothek
für Zukunftsfragen |
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V Die
Globalisierung gestalten Reihe „Salzburger:Zukunfts:Dialoge“ –
Zukunftsforscher Franz Josef |
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Eröffnung durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller |
V Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: Wirtschaft
als Partner “Die Kunst den Tiger zu
reiten. Wirtschaft in globaler Verantwortung – Anspruch und Wirklichkeit“ –
so der Titel der 1. „Salzburger:Zukunfts:Dialoge“, die am 21. Juni 2006 im
ORF-Publikumsstudio in Kooperation von Land Salzburg, ORF und der
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen stattgefunden haben. Es gehe darum, sich nicht
vor dem Tiger zu fürchten, sondern Politik und Wirtschaft als Partner zu
sehen, um die Globalisierung zu gestalten, so Landeshauptfrau Gabi Burgstaller in ihrem Einleitungsstatement. Das Ziel der
Nachhaltigkeit könnte zu einem Bindeglied zwischen Wirtschaft und Politik
werden und Salzburg sich in gemeinsamer Bemühung aller Akteure als
„Modellregion für Nachhaltigkeit“ profilieren. |
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Franz J. Radermacher auf Besuch in der R.-Jungk-Bibliothek
(Foto: Spielmann) |
Franz
Josef Radermacher: Der Planet ist außer Balance Der Zukunftsforscher Franz
Josef Radermacher unterstrich die technologischen und wirtschaftlichen Potenziale
der Globalisierung, verwies aber zugleich auf die damit verbundene Zuspitzung
der Ressourcenverknappung. „Immer mehr Menschen mit einem immer höheren
Konsumniveau bringen den Planeten aus der Balance.“ Überdies schaffe die
gegenwärtige Globalisierung nicht Wohlstand für alle. Vom Zuwachs des
Weltsozialprodukts seien im letzten Jahrzehnt nur 4 Prozent bei der ärmeren
Hälfte der Weltbevölkerung angekommen, 96 Prozent blieben bei den
Bessergestellten. |
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Franz J. Radermacher im Gespräch mit ORF-Landesdirektor Hubert Novak |
Radermacher:
Drei mögliche Szenarien Der Club of Rome-Denker skizzierte drei mögliche Zukunftsszenarien:
Der Ökokollaps sei möglich, aber wenig wahrscheinlich. Vielmehr würden die Reicheren
danach trachten, sich die ökologische Ressourcenbasis auf Kosten der Ärmeren
zu erhalten - in historischer Analogie zum Jagdrecht des Mittelalters, das
der Feudalklasse vorbehalten war. Radermacher sprach von einer
„Brasilianisierung der Welt“, in der Armut in breiterem Ausmaß auch zu uns
zurückkehren würde. Die „Ausblutung der öffentlichen Kassen“ sei ein erstes
Indiz dafür: „Steuern zahlen nur mehr die Mittelständler, die Großen
entziehen sich.“ Nur globale soziale und
ökologische Standards können nach Radermacher dieser Entwicklung
entgegenwirken. Was die Demokratie auf nationalstaatlicher Ebene geschafft
hat, nämlich allen Bürgern eine Grundversorgung zu sichern, müsse in der
globalisierten Wirtschaft auf Weltebene implementiert werden. „Weltdemokratie“
bedeute daher nicht nur, die Demokratie in alle Länder zu bringen, sondern
den gleichen Anspruch aller Menschen auf die Weltressourcen umzusetzen. Die
„Global Marshall Plan-Initiative“ schlägt in diesem Sinne Weltsteuern auf
Devisentransaktionen, den internationalen Handel sowie auf Flugbenzin zur
Finanzierung von Entwicklung in ärmeren Länder vor, um so die
UN-Millenniumsziele zur Überwindung der Armut zu erreichen. Als Vorbild
nannte Radermacher die EU-Strukturfonds, die den ökonomischen Ausgleich
innerhalb der Europäischen Union ermöglichen. |
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Wolfgang Anzengruber im Gespräch mit dem Salzburger Nachhaltigkeits- koordinator Gunter Sperka |
Wolfgang
Anzengruber: Nachhaltige Unternehmensstrategien Wolfgang Anzengruber,
Vorstandsdirektor der Palfinger AG, konnte einer
Besteuerung von Devisengeschäften durchaus etwas abgewinnen, da dies zu einer
Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte beitragen würde. Er plädierte
für eine Rückkehr zu langfristigen Unternehmensstrategien, die sich von der
kurzfristigen und einseitigen Fixierung auf immer höhere Renditen lösen. Die
Bezahlung der Manager nach der Höhe der Aktienstände des Unternehmens sei
daher ein „Schwachsinn“, der unlauteren Geschäftspraktiken Vorschub leiste.
Die Firma Palfinger mit Niederlassungen in 13
Ländern und insgesamt 3.300 Beschäftigten hat sich dem Netzwerk von
Unternehmensverantwortung („Corporate Social Responsibility“) angeschlossen und veröffentlicht einen
jährlichen Nachhaltigkeitsbericht. Unternehmensverantwortung im eigenen Interesse Soziale Aktivitäten wie
die Unterstützung der Belegschaftsfamilien in Brasilien, der Aufbau einer
Lehrlingsausbildung in Bulgarien oder Mitarbeiterbefragungen kämen, so Anzengruber,
auch dem Unternehmenserfolg zu gute, da sie das Ausbildungsniveau, die
Zufriedenheit und die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Nachhaltigkeit
verband Anzengruber vor allem mit Qualitätswachstum und langlebigen
Produkten, die den Ressourcenverbrauch reduzieren würden. Hier sei auch der
Konsument zur Verantwortung zu ziehen („Der Geländewagen als Antwort auf
steigende Benzinpreise ist kontraproduktiv.“) Nicht zuletzt könne auch ein
gewisser materieller Wohlstandsverzicht Sinn machen, wenn dafür andere
Aspekte der Lebensqualität an Bedeutung gewinnen. Die Welt wie sie derzeit
ist, sei nicht in Ordnung, so Anzengruber, die Globalisierung - verstanden
nicht als Rekolonialisierung, sondern als Transfer
von Wissen und Know How -
biete aber die Chance, mehr Menschen in der Welt bessere Lebensbedingungen zu
ermöglichen. |
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Impressum |
Robert-Jungk-Bibliothek für
Zukunftsfragen – Robert-Jungk-Platz 1 – 5020
Salzburg. |
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