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Foto Friedensbüro

Öl ins Feuer  
Ressourcenkonflikte des 21. Jahrhunderts

UNO-Korrespondent Andreas Zumach befürchtet Krieg gegen Iran 
Vortrag am 6. November 2007

Bericht: Hans Holzinger

Veranstalter: Friedensbüro Salzburg, Kath. Bildungswerk Salzburg, Renner-Institut Salzburg in Zusammenarbeit mit Afroasiatisches Institut, Elfi Gmachl Stiftung für eine atomfreie Zukunft, Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung, DKWE, Verein Südwind Entwicklungspolitik, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Kath. Hochschulgemeinde.

 

 

„So etwas darf uns nie wieder passieren“ - Reaktionen auf die erste Ölpreiskrise

Lange Zeit lebten wir in der Illusion, Erdöl sei unbegrenzt vorhanden. Die Ölkrise der 1970er-Jahre machte dann erstmals unsere Abhängigkeit von diesem Rohstoff bewusst. Doch: „Die Ölkrise war eigentlich eine Ölpreiskrise.“ Die erdölproduzierenden Staaten der OPEC hatten als Revanche für die Unterstützung Israels im Krieg gegen Ägypten und Syrien den Ölpreis über Nacht verdoppelt. „Erstmals musste in den USA Benzin rationiert werden. Die Menschen standen Schlange an den Zapfsäulen. Diese Erfahrung hatte sich in den politischen Eliten der USA stark eingegraben“, so Andreas Zumach in einem Vortrag der Reihe „Konflikt aktuell“ jüngst in Salzburg. Die Devise lautete nun: „So etwas darf uns nie mehr passieren.“ Da laut Analysen des US-Verteidigungsministeriums der gegenwärtige Hauptverbündete im Nahen Osten, das Regime in Saudi-Arabien, irgendwann auch fallen werde, musste ein neuer strategischer Partner gefunden werden. Dies war für Zumach ein wichtiger Grund der US-Kriege gegen den Irak. Dazu kam, so der Korrespondent mehrerer Tageszeitungen sowie internationaler Rundfunk- und Fernsehanstalten bei der UNO in Genf,  die Drohung Saddam Husseins, sein Öl nicht mehr in Dollar, sondern in Euro zu verkaufen, was die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA und die Leitwährungsfunktion des Dollars gefährdet hätte. Das US-Haushaltsdefizit – es beträgt derzeit an die 1.700 Milliarden Dollar – wird finanziert durch Petrodollars, die Verschuldung somit „ausgelagert“.

 

Militärschläge gegen Iran wahrscheinlich: „Öl wird dabei eine entscheidende Rolle spielen“

Auch wenn der Krieg gegen den Irak ein finanzielles Debakel war, so befürchtet Zumach, dass es in den nächsten Jahren auch zu Militärschlägen gegen den Iran kommen wird: „Öl wird dabei eine entscheidende Rolle spielen“. Eine Atommacht Iran wäre ein sicherheitspolitisches Problem, der Atomstreit habe jedoch vornehmlich „Vehikelfunktion“, um den Konflikt zu schüren, ist der Experte überzeugt. Die Ächtung der iranischen Revolutionsbrigaden als terroristische Vereinigung, die Erhöhung des ökonomischen Drucks sowie der Vorwurf, der Iran sei durch Unterstützung irakischer Terrorgruppen indirekt am Tod von US-Soldaten mitschuldig, sieht Zumach als Anzeichen für die Eskalation. Die EU, die in ihrer Außen- und Sicherheitspolitik ebenfalls das Ziel „Sicherung des Ressourcenzugangs“ aufgenommen hat, werde sich im Falle eines Krieges ­- es sollen bereits 10.000 Angriffsziele festgelegt sein - zurückhalten, China dem Iran zwar mit Abwehrwaffen zu Hilfe kommen, aber letztlich auch nicht eingreifen, so Zumachs Einschätzung. Er rechnet mit einem drei bis vierwöchigen Luftkrieg, der die Bevölkerung mürbe machen soll.

 

Verknappung des Erdöls als Konflikttreiber – Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern

Den größten Konfliktherd für die Zukunft ortet der Experte in der rasanten Verknappung des verbleibenden Erdöls. Von den weltweit verfügbaren 2.000 Milliarden Fass Öl sei bald die Hälfte verbraucht, Neufunde gäbe es kaum. Das Entscheidende sei aber das enorme Anwachsen des Verbrauchs, den Zumach an folgenden Zahlen festmachte: So stieg der weltweite Verbrauch allein in den letzen vier Jahren von 80 auf 86,3 Millionen Fass täglich, in den ohnedies energieintensiven USA von 20 auf 21 Millionen Fass, im wachstumsstarken China von 6 auf 10,5 Millionen Fass, was einer Zunahme um fast 80 Prozent entspricht. Bis 2050 wird mit einer Verdoppelung des Erdölverbrauchs gerechnet. Vor kurzem habe die Internationale Energieagentur erstmals eingeräumt, dass es bereits 2012 zu ersten Versorgungsengpässen kommen könne, so Zumach, der mit weiteren starken Preissteigerungen rechnet. „Bei der Fortsetzung der gegenwärtigen Verbrauchsentwicklung wird es zwangsläufig zu größeren Kriegen kommen, gegenüber denen der Irakkrieg klein erscheinen wird“, warnte der Experte. Einen Ausweg sieht er darin, uns aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu befreien durch Ausnützung aller Effizienzpotenziale, die Senkung des Pro-Kopf-Energieverbrauchs sowie den Umstieg auf nachhaltige Energieformen. Diese seien heute keine Frage der technologischen Machbarkeit mehr, sondern eine des „politischen Wollens“, so Zumach abschließend.

 

Andreas Zumach ist internationaler Korrespondent der Berliner „tageszeitung“ und anderer internationaler Rundfunk- und Fernsehanstalten bei der UNO in Genf. Der ehemalige Sprecher des bundesweiten Koordinationsausschusses der deutschen Friedensbewegung ist bekannter Buchautor. 1997 erschien sein Buch „Vereinte Nationen“, 2003 gemeinsam mit Hans C. von Sponeck „Irak - Chronik eines gewollten Krieges" und 2005 „Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte, Machtgewinn – Präventivkrieg als Dauerzustand?“