|
Veranstaltungen |
||||
|
|
|
|
||
„So etwas darf uns nie wieder
passieren“ - Reaktionen auf die erste Ölpreiskrise Lange
Zeit lebten wir in der Illusion, Erdöl sei unbegrenzt vorhanden. Die Ölkrise
der 1970er-Jahre machte dann erstmals unsere Abhängigkeit von diesem Rohstoff
bewusst. Doch: „Die Ölkrise war eigentlich eine Ölpreiskrise.“ Die
erdölproduzierenden Staaten der OPEC hatten als Revanche für die
Unterstützung Israels im Krieg gegen Ägypten und Syrien den Ölpreis über Nacht
verdoppelt. „Erstmals musste in den USA Benzin rationiert werden. Die
Menschen standen Schlange an den Zapfsäulen. Diese Erfahrung hatte sich in
den politischen Eliten der USA stark eingegraben“, so Andreas Zumach in einem
Vortrag der Reihe „Konflikt aktuell“ jüngst in Salzburg. Die Devise lautete
nun: „So etwas darf uns nie mehr passieren.“ Da laut Analysen des
US-Verteidigungsministeriums der gegenwärtige Hauptverbündete im Nahen Osten,
das Regime in Saudi-Arabien, irgendwann auch fallen werde, musste ein neuer
strategischer Partner gefunden werden. Dies war für Zumach ein wichtiger
Grund der US-Kriege gegen den Irak. Dazu kam, so der Korrespondent mehrerer
Tageszeitungen sowie internationaler Rundfunk- und Fernsehanstalten bei der
UNO in Genf, die Drohung Saddam
Husseins, sein Öl nicht mehr in Dollar, sondern in Euro zu verkaufen, was die
wirtschaftliche Vormachtstellung der USA und die Leitwährungsfunktion des
Dollars gefährdet hätte. Das US-Haushaltsdefizit – es beträgt derzeit an die
1.700 Milliarden Dollar – wird finanziert durch Petrodollars, die
Verschuldung somit „ausgelagert“. Militärschläge
gegen Iran wahrscheinlich: „Öl wird dabei eine entscheidende Rolle spielen“ Auch
wenn der Krieg gegen den Irak ein finanzielles Debakel war, so befürchtet Zumach,
dass es in den nächsten Jahren auch zu Militärschlägen gegen den Iran kommen
wird: „Öl wird dabei eine entscheidende Rolle spielen“. Eine Atommacht Iran
wäre ein sicherheitspolitisches Problem, der Atomstreit habe jedoch
vornehmlich „Vehikelfunktion“, um den Konflikt zu schüren, ist der Experte
überzeugt. Die Ächtung der iranischen Revolutionsbrigaden als terroristische
Vereinigung, die Erhöhung des ökonomischen Drucks sowie der Vorwurf, der Iran
sei durch Unterstützung irakischer Terrorgruppen indirekt am Tod von
US-Soldaten mitschuldig, sieht Zumach als Anzeichen für die Eskalation. Die
EU, die in ihrer Außen- und Sicherheitspolitik ebenfalls das Ziel „Sicherung
des Ressourcenzugangs“ aufgenommen hat, werde sich im Falle eines Krieges -
es sollen bereits 10.000 Angriffsziele festgelegt sein - zurückhalten, China
dem Iran zwar mit Abwehrwaffen zu Hilfe kommen, aber letztlich auch nicht
eingreifen, so Zumachs Einschätzung. Er rechnet mit
einem drei bis vierwöchigen Luftkrieg, der die Bevölkerung mürbe machen soll. Verknappung
des Erdöls als Konflikttreiber – Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
verringern Den
größten Konfliktherd für die Zukunft ortet der Experte in der rasanten
Verknappung des verbleibenden Erdöls. Von den weltweit verfügbaren 2.000
Milliarden Fass Öl sei bald die Hälfte verbraucht, Neufunde gäbe es kaum. Das
Entscheidende sei aber das enorme Anwachsen des Verbrauchs, den Zumach an
folgenden Zahlen festmachte: So stieg der weltweite Verbrauch allein in den
letzen vier Jahren von 80 auf 86,3 Millionen Fass täglich, in den ohnedies
energieintensiven USA von 20 auf 21 Millionen Fass, im wachstumsstarken China
von 6 auf 10,5 Millionen Fass, was einer Zunahme um fast 80 Prozent
entspricht. Bis 2050 wird mit einer Verdoppelung des Erdölverbrauchs
gerechnet. Vor kurzem habe die Internationale Energieagentur erstmals
eingeräumt, dass es bereits 2012 zu ersten Versorgungsengpässen kommen könne,
so Zumach, der mit weiteren starken Preissteigerungen rechnet. „Bei der
Fortsetzung der gegenwärtigen Verbrauchsentwicklung wird es zwangsläufig zu
größeren Kriegen kommen, gegenüber denen der Irakkrieg klein erscheinen
wird“, warnte der Experte. Einen Ausweg sieht er darin, uns aus der
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu befreien durch Ausnützung aller
Effizienzpotenziale, die Senkung des Pro-Kopf-Energieverbrauchs sowie den
Umstieg auf nachhaltige Energieformen. Diese seien heute keine Frage der
technologischen Machbarkeit mehr, sondern eine des „politischen Wollens“, so
Zumach abschließend. Andreas
Zumach ist internationaler Korrespondent der
Berliner „tageszeitung“ und anderer internationaler
Rundfunk- und Fernsehanstalten bei der UNO in Genf. Der ehemalige Sprecher
des bundesweiten Koordinationsausschusses der deutschen Friedensbewegung ist bekannter
Buchautor. 1997 erschien sein Buch „Vereinte Nationen“, 2003 gemeinsam mit
Hans C. von Sponeck „Irak - Chronik eines gewollten
Krieges" und 2005 „Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte,
Machtgewinn – Präventivkrieg als Dauerzustand?“ |
||||